Aufsichtsrat: Norwegisches Modell

19.02.2009 von Inken Wanzek

In Norwegen geht, was zunächst unmöglich erschien: Seit 2006 müssen in Norwegen 40 Prozent der Aufsichtsratsposten weiblich bzw. männlich besetzt werden. Seit dem 1.1.2008 traten auch Sanktionsmöglichkeiten in Kraft. Die Höchststrafe: Zwangsauflösung des Unternehmens.

Es war ein Mann, der dem “Klub der grauen Herren” in den Aufsichtsräten etwas Blutauffrischung zukommen lassen wollte. Der konservative norwegische Wirtschaftsminister Ansgar Gabrielsen stellte seine Idee  2002 erstmals vor und schockierte mit der Forderung nach einer Quotenregelung nicht nur  seine Parteifreunde. Umgesetzt hat das dann aber eine sozialdemokratische Regierung.

Gabrielsen waren sieben Prozent Frauen in Norwegens Aufsichtsräten (Jahr 2002) eindeutig zu wenig. 2005, als das Gesetz beschlossen wurde, waren es 16 Prozent. In Österreich liegt der Frauenanteil unter 10 Prozent,  in Deutschland bei 11 Prozent, in den USA bei 14,8 Prozent, in Italien bei 2,3 Prozent und im Europa-Schnitt bei 8,4 Prozent.

Um Unternehmen bei der Umbesetzung der Aufsichtsräte mit qualifizierten Frauen zu unterstützen, bot die norwegische Regierung in den letzten fünf Jahren Kurse für Aufsichtsräte an.

Seit 2008 machen in Norwegen viele Frauen eine steile Karriere, so wie  Rebekka Herlofson. Ihre Karriere begann im Aufsichtsrat. Erst später wechselte sie in das Management des Unternehmen. Die Kontakte hatten ihr das ermöglicht. Rebekka Herlofson gibt offen zu, von der Quotenregelung profitiert zu haben, obwohl sie eigentlich gegen Quotenregelungen ist. Sie hätte es lieber gesehen, wenn Frauen zuerst in das Management der Firmen geholt und dann erst in den Aufsichtsrat gewählt werden.

Das norwegische Modell scheint zu funktionieren. Viele, die Anfangs stark gegen das Gesetz waren, sind heute dafür. Die Unternehmen profitieren davon. Frauen, sagt Rebekka Herlofson, sind nicht besser. Der Punkt ist, dass jemand Neuer kommt, der die Dinge anders angeht und neuen Schwung hineinbringt.”


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