Quotenregelung – ja oder nein?

19.02.2009 von Inken Wanzek

Ist eine Quotenregelung sinnvoll? Die Frage ist nicht neu. Neu gestellt wurde sie von der Initiative Nürnberger Frauen, die fordern, dass 40 Prozent der Aufsichtsratmandate in einem Unternehmen von Frauen besetzt sein müssen.

Nicht nur Männer, auch viele Frauen mögen das Wort “Quotenregelung” nicht. Ablehnen? Befürworten? Nachdenken.
Die nüchterne Antwort der Nürnberger Frauen, und nicht nur diesen, ist: “Weil es anders nicht geht!”
Frauen haben schon längst die Qualifikation erworben, um, zusammen mit Männern, an der Spitze der Wirtschaft im Vorstand oder Aufsichtsrat zu stehen.

Trotzdem findet man in den Spitzengremien der Wirtschaft kaum Frauen? Warum? Weil Männer, die heute diese Domaine besetzen, sie nicht in das Allerheiligste bzw. in das Networking, das davorgeschaltet ist,  hineinlassen. Ob dies Angst vor den etwas anders gelagerten Fähigkeiten, Trägheit oder einfach nur die Gewohnheit der alten Seilschaften ist, weiß wohl niemand so genau, wahrscheinlich von allem ein bisschen.

Fest steht, Frauen sind heute nicht besser oder schlechter qualifiziert als Männer. Frauen arbeiten auch nicht besser oder schlechter als Männer. Sie sind anders, gehen Probleme anders an, legen oft auf Anderes ihren Schwerpunkt. Das erschwert häufig die Kommunikation, weil Mann sich auf Frau einstellen muss. Der Mann in den Führungsetagen ist im allgemeinen nur das Umgekehrte gewohnt. Das macht Angst bei aller Innovationsfreudigkeit, die männliche Manger sonst an den Tag legen. Umdenken, Rollenbild, Angst vor vermehrter Konkurrenz, all das wird mit der Forderung “Frauen an die Spitze von Unternehmen” berührt. Die Reaktion ist Ablehnung, sperren des Networkings für Frauen – bewusst oder unbewusst. Deshalb macht die Forderung nach einer Quotenregelung durchaus Sinn, um den Prozess der Gleichberichtigung auch auf Vorstandsetagen in Bewegung zu setzen.

Doch einer Illusion sollte man sich nicht hingeben. Es wird nicht automatisch besser oder gar menschlicher in der Firmenwelt, wenn Frauen mitzubestimmen haben. Frauen, die nach oben wollen, sind genauso ehrgeizig wie Männer, müssen sich genauso im Konkurrenzkampf behaupten, ihre Vorteile sehen und wahrnehmen, der Karriere wegen Kompromisse eingehen, die sie nie mittragen wollten. Frauen werden genauso wie Männer an der Spitze der Versuchung der Macht erliegen und ein Informationsvakuum erfahren, das sie letztlich vom wahren Leben abkoppelt – auch, wenn sich mache das heute noch nicht vorstellen können oder wollen.

Woraus ich das ableite? Ganz einfach. Im Betriebsrat gibt es per Gesetz eine Quotenregelung. Sie heißt nur nicht so. Frauen und Männer müssen entsprechend ihrer Anzahl im Betrieb im Betriebsrat vertreten sein. Betriebsräte sind keine Spitzengremien, nur weil hier Frauen vertreten sind.  Ein Betriebsrat ist so gut oder so schlecht, wie die Menschen, die im Gremium vertreten sind, egal, ob Mann oder Frau. Oder sind die Frauen im Betriebsrat vielleicht unterdrückt? Dann kann man nur sagen: “Frauen setzt euch mit euren Fähigkeiten durch!”

Gut wäre , wenn der Geschlechterkampf keine Rolle mehr spielen würde und  Mann wie Frau die Fähigkeiten, die jeder oder jede Einzelne hat, vom anderen, egal ob Mann oder Frau, akzeptiert. Vielleicht braucht man, um das durchzusetzen eine Quotenregelung. Es sieht so aus.