NSN: Kühlen Kopf bewahren

20.03.2009 von Inken Wanzek / Christine Rosenboom

Am Donnerstag wurde auf dem Forum der Solidarität über den Interessenausgleich / Sozialplan (IA/SP) diskutiert. Aus den Zuschriften, die wir bekommen haben, bekamen wir den Eindruck, dass die Veranstaltung bei Vielen die Angst und Verwirrung anwachsen ließ. Deswegen möchten wir zu einigen Punkten Stellung nehmen, um Klarheit zu schaffen und euch die Angst ein wenig zu nehmen.

Es sind zwei Schreckgespenster aufgetaucht: die Kündigung und die Versetzung nach Greifswald. Man muss es machen wie Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer. Zuerst erschraken sie schrecklich vor dem Scheinriesen Turtur, der am Horizont erschienen war. Dann gestanden sie sich die Angst ein, sahen noch mal hin und stellten fest, dass sie über den Riesen gar nichts wussten. Sie gingen auf Turtur zu, um ihn kennen zu lernen. Turtur wurde zu ihrer Überraschung immer kleiner, je näher sie kamen, bis er nicht mehr größer war, als sie. Die Furcht verschwand, sobald sie das Geheimnis des Scheinriesen erkannten. Wären sie in ihrer Angst stehen geblieben, würden sie sich noch heute vor ihm fürchten und Lummerland hätte keinen Leuchtturm.

Viel von dieser Angst läuft nur in euren Köpfen ab und erzeugt einen Kreislauf der Angst, den ihr nicht mehr durchbrechen könnt, es sei denn, ihr haltet inne und setzt euch mit der Sachlage auseinander.

Grundsätzlich gilt, dass Rechtsanwälte sich in solchen Veranstaltungen immer sehr vage und vorsichtig ausdrücken, weil sie nicht haftbar gemacht werden wollen. Also kann man aus deren Aussagen seine individuellen Chancen nicht herauslesen.

Es wurde gesagt, dass man einerseits weiß, was einen erwartet (beE und dann ev. anschließende Arbeitslosigkeit), aber andererseits keinerlei Ahnung hat, was einen erwartet wenn man das Angebot ablehnt. Letzteres stimmt nicht ganz (s.u.), hätte aber klarer sein können, wenn der Betriebsrat der Phase 2 nicht zugestimmt hätte, sondern die Regelungen für eventuelle Kündigungen gleich mit verhandelt hätte. Dies haben wir schon 2005 beim damaligen FN-IA/SP gerügt.

Wenn der Mitarbeiter vor der Kündigung steht, muss er sich klar darüber werden, was das Beste in seiner persönlichen Situation ist. Niemand kann einen Arbeitgeber von einer Betriebsschließung abhalten. Aber der Arbeitnehmer ist dann keiner Willkür ausgesetzt, sondern unterliegt den Regelungen des IA/SP.

Es wurde auf dem Forum der Solidarität auch gesagt, dass es so einen Sozialplan wohl nie wieder geben würde … Ihr erinnert euch, dass sie das bei den letzten 5 Sozialplänen auch schon gesagt haben. Dieser Sozialplan ist ein Standard-Sozialplan bis auf die dreijährige beE. Diese war durch das Konjunkturpaket II (18 Monate Transferkurzarbeitergeld) möglich und wegen der Weltwirtschaftskrise notwendig. Sozialpläne orientieren sich nach Rechtsprechung grundsätzlich an dem, was im Betrieb üblich ist, also im Normalfall am zuletzt vereinbarten.


Ein Kommentar

  • bt

    Wir haben nicht gesagt dass es so einen Sozialplan nie wieder geben wird, sondern dass es höchst ungewiss ist ob der Sozialplan beim nächsten NSN-Stellenabbau z.B. in Mch-M wieder so aussehen wird, wenn (im Gegensatz zu Mch-H) nicht ein kompletter Betrieb mit einem Durchschnittsalter von 48 geschlossen werden soll, sondern “nur” ein bestimmter Prozentsatz der Belegschaft abgebaut wird. Das ist eine andere Situation, in dieser besonderen MchH-Situation konnten daher auch besondere Maßnahmen ausgehandelt werden, das war nicht nur ein Verdienst der verhandelnden Betriebsräte sondern tlw. auch situativ bedingt. Der Schluss, dass künftige SP’s nie wieder schlechter aussehen könne, ist gefährlich. Auch ist nicht nur die beE-Laufzeit neu; z.B. die Probezeit-beE-Rückkehr ist ebenso neu wie die Tatsache, dass bei einer beE/vB-Kombination die beE-Abfindung nicht auf die vB-Abfindung angerechnet wird, also Kollegen ab 55 gleich 2 Abfindungen bekommen (eine wird im Stück und die andere in Monatsscheiben ausgezahlt), und so fort. Das sind Besonderheiten, derentwegen sich zahlreiche Martinsträßler für einen Ringtausch interessieren, weil sie eben befürchten dass es sowas beim nächsten Abbau nicht mehr geben könnte, und das Gegenteil könnt Ihr ihnen sicherlich nicht garantieren.

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