Ex-Siemens Chef Griechenland in Rosenheim verhaftet

27.06.2009 von Christine Rosenboom

Mitte Mai, kurz bevor er in Athen bei der Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit dem Schmiergeld-Skandal aussagen sollte und vermutlich verhaftet worden wäre, tauchte Michael Christoforakos irgendwo im Münchener Umland unter. Die Athener Behörden stellten daraufhin einen internationalen Haftbefehl gegen ihn aus.

Letzte Woche nun konnte ein Sondereinsatzkommando der bayerischen Polizei den Ex-Chef der griechischen Siemens-Landesgesellschaft in der Nähe von Rosenheim schließlich verhaften. Bei seiner Festnahme am frühen Donnerstagmorgen in einem Privatanwesen in der Nähe von Rosenheim habe der Ex-Manager keinen Widerstand geleistet, teilte die Generalstaatsanwaltschaft München mit. Christoforakos sitzt nun in Untersuchungshaft in München, Stadelheim.

Der ehemalige Finanzchef der Kommunikationssparte (COM), Michael Kutschenreuter, gegen den Mitte Juni Anklage erhoben wurde, soll, dafür gesorgt haben, dass Christoforakos das “notwendige Geld” erhalten habe, um griechische Politiker zu bestechen. Dies wirft Siemens Kutschenreuter in einem Schriftsatz zu dessen Kündigungsverfahren vor. Christoforakos sollte das Geld an griechische Politiker weiterleiten. “Ziel war es, zu erreichen, dass im Rahmen einer Wahl in Griechenland Politiker gewählt würden, die sich für die Interessen des Siemens-Konzerns einsetzen würden.” Darüber hinaus soll Kutschenreuter, so Siemens weiter, sich auch darum gekümmert haben, dass Christoforakos Bargeld erhalten habe, um durch Bestechung einen Großauftrag der griechischen Telefongesellschaft OTE zu besorgen.

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaften in München und Athen soll Siemens in Griechenland rund 100 Millionen Euro Schmiergeld gezahlt haben, um einen Milliarden-Auftrag der OTE zu erhalten und andere lukrative Geschäfte abschließen zu können, unter anderem mit der Armee und bei den Olympischen Sommerspielen 2004.

Christoforakos ist nicht nur griechischer, sondern auch deutscher Staatsbürger, insofern gilt für ihn auch deutsches Recht. Nach deutschem Recht sind die Delikte, die ihm vorgeworfen werden und die er bis jetzt bestreitet, zumindest größtenteils verjährt. In Athen droht Christoforakos jedoch wegen Korruption eine lebenslange Haftstrafe. Er will daher nicht an Griechenland ausgeliefert, sondern lieber in München vor Gericht gestellt werden.

Der ehemalige Siemens-Zentralvorstand Volker Jung, gegen den die Staatsanwaltschaft in Athen ebenfalls ermittelt, weil er in den Siemens-Schmiergeldskandal verwickelt sein soll, hält sich in der Ägäis auf. Nach einer Vernehmung Anfang Juni in Athen verhängte die griechische Justiz ein Ausreiseverbot gegen Jung. Er muss sich regelmäßig bei der Polizei melden und darf das Land nicht verlassen.

In den Medien wird nun spekuliert, Jung sei eine Art Faustpfand. Er dürfe dann gehen, wenn die deutsche Justiz im Gegenzug Michael Christoforakos ausliefere. In den kommenden Tagen will ein Staatsanwalt aus Athen seine deutschen Kollegen in München aufsuchen und Christoforakos am liebsten gleich mitnehmen.

Jungs Athener Anwalt Wassilis Karkazis hofft, dass da kein Tauschgeschäft versucht wird. “Es sollte in der Europäischen Union möglich sein, diese Probleme anders zu lösen als durch einen Austausch von Beschuldigten”, sagte Karkazis. Der Münchner Anwalt von Christoforakos, Stefan Kursawe schloss sich dem an: “Jeder Fall muss für sich betrachtet und behandelt werden.” Jung selbst weist alle Vorwürfe zurück und beteuert seine Unschuld.

Die Generalstaatsanwaltschaft will Christoforakos Akten in den kommenden Tagen dem Oberlandesgericht München vorlegen, das über die Zulässigkeit der Auflieferung zu entscheiden habe. “Es ist derzeit nicht absehbar, bis wann mit einer Gerichtsentscheidung zu rechnen ist”, erklärte der Leitende Oberstaatsanwalt Alfons Obermeier.