Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf Nokia Siemens Networks

05.07.2009 von Christine Rosenboom

Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise geht nicht spurlos an Nokia Siemens Networks vorüber. Um die geschäftliche Lage von NSN zu erkennen, muss man sich nur die Geschäftszahlen ansehen. Insbesondere der verstärkte Einbruch des Umsatzes im ersten Quartal 2009 lässt die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf NSN erkennen.

Um dieser Krise zu begegnen, hat Nokia Siemens Networks an den Fertigungsstandorten Berlin und Bruchsal, sowie in der NSN Service GmbH in der Region Ost bereits Kurzarbeit eingeführt. Es gibt darüber hinaus Überlegungen, die Kurzarbeit noch weiter im Unternehmen auszudehnen.

Aktuell sollen alle 40-Stunden Arbeitsverträge gekündigt werden, die Mitarbeiter sollen also wieder 35 Stunden arbeiten und sollten dies dann auch tatsächlich tun. Zusätzlich soll der BRM (Business Result Multiplier), der für die Höhe der variablen Gehaltsbestandteile bei außertariflichen Mitarbeitern maßgeblich ist, auf null gesetzt werden, wenn NSN einen operativen Verlust verzeichnet. Es gibt zwar eine Gesamtbetriebsvereinbarung, die den BRM auf ein Minimum von 0,35 festlegt, NSN verhandelt derzeit aber über eine entsprechende Änderung mit dem GBR. Es ist klar, dass dies finanzielle Einschränkungen für die Mitarbeiter bedeutet. Dennoch sollte man sich vor Augen führen, dass diese Maßnahmen bisher weiteren Personalabbau verhindern, unter Umständen auch den Abbau des eigenen Arbeitsplatzes.

Durchschnittlich ging das Auftragsvolumen der Metall- und Elektrobetriebe allein in Nürnberg in den vergangenen zwölf Monaten um 30 Prozent zurück. 26 000 Menschen in 40 Firmen arbeiten dort derzeit kurz. In Augsburg sind seit dem Ausbruch der Krise knapp 20.000 Arbeiter und Angestellte in Kurzarbeit gegangen. Einer Umfrage zufolge rechnet inzwischen fast jedes zweite Unternehmen damit, Personal abbauen zu müssen (Quelle: Süddeutsche Zeitung).

Zu den Unternehmen, die bereits mit Einführung von Kurzarbeit auf die Krise reagiert haben, gehört beispielsweise auch Siemens Enterprise. Siemens hat die Kurzarbeit auf etwa 7.400 Mitarbeiter ausgedehnt und auch Fujitsu hat eine Vereinbarung zur Kurzarbeit abgeschlossen. Diese wird voraussichtlich im Herbst starten.

Bei einem prognostizierten negativen Wirtschaftswachstum in Deutschland von etwa 5 Prozent und einer Arbeitslosenquote, die bis 2010 auf 12 Prozent steigen könnte, ist davon auszugehen, dass die Wirtschaftskrise sich auf Arbeitnehmer noch stärker auswirken wird, als bisher. Die Maßnahmen der Bundesregierung einschließlich der Verlängerung des Kurzarbeitergeldes haben die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt bisher nur verzögert, damit die Krise erst nach der Wahl richtig bei uns ankommt. Die anfänglichen Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Krise und ein erneutes Wirtschaftswachstum haben sich als reine Durchhalteparolen erwiesen. In Anbetracht dessen, dass durch erneuten Arbeitsplatzabbau die Existenz der betroffenen Mitarbeiter gefährdet wäre, ist es sicher das kleinere Übel, Einschränkungen hinzunehmen.