NSN: Vorbereitungen für den Sturm

07.07.2009 von Inken Wanzek

Wenn man dunkle Wolken am Himmel heranziehen sieht, der Wetterbericht Sturm angekündigt hat, schließt man Türen und Fenster, räumt herumstehendes Mobiliar ins Haus und bleibt, wenn irgend möglich zu Hause. Man trifft die Vorbereitungen auch dann, wenn die Möglichkeit besteht, dass das Unwetter über einen hinweg zieht, ohne dass es sich entlädt.

Kurz: Man trifft Vorbereitungen, um best möglich für den Sturm gerüstet zu sein. Man wartet nicht erst ab, bis der Sturm da ist, um dann in Panik herumzurennen.

Nur im Arbeitsleben verhalten sich Mitarbeiter meist anderes. Sie tun so, als ob nichts wäre, glauben wider aller Vernunft daran, dass es sie nicht treffen wird, stecken höchstens den Kopf in den Sand, um das Unwetter nicht sehen zu müssen. Doch hilft das wirklich? Wir meinen nein. Also, was kann man jetzt, heute, morgen, tun?

  1. Wer sie immer noch nicht hat: Schließt eine private Arbeitsrechtsschutzversicherung ab. Wer bereits irgendwann einmal einen Rundum-Rechtsschutz abgeschlossen hat, möge nachsehen, ob dieser auch wirklich das Arbeitsrecht mit einschließt, damit es im Falle des Falles keine bösen Überraschungen gibt. Wir können fast prophezeien, derjenige, der keine Arbeitsrechtschutzversicherung hat, wird keinen Kündigungsschutzprozess führen, egal, wie gut seine individuellen Chancen sind.
  2. Mitarbeiter, die keine Arbeit haben, sollten verstärkt immer wieder per E-Mail (und diese aufheben, ausgedruckt und zu Hause) ihre Bereitschaft zur Arbeit darlegen, sich auch auf offene Stellen bewerben und diese dokumentieren. Mitarbeiter unbeschäftigt herumsitzen zu lassen, ist rechtswidrig. Darüber hinaus sollten sich die, die schon länger keine Arbeit haben, eine Klage auf vertragsgemäße Beschäftigung überlegen.
  3. Informiert euch, z.B. auf unserer Homepage oder in unserem Buch. Habt ihr tariflichen Kündigungsschutz, Jubilarschutz, Mutterschutz, Schwerbehindertenschutz? Lest nach, was das für euch bedeutet – und vergesst es nicht. Es ist ein wichtiger Baustein.
  4. Informiert euch, wie eure individuellen Chancen im Falle eines Kündigungsschutzprozesses stehen.
  5. Macht euch eine Aufstellung über eure laufenden Ausgaben. Das zu wissen beruhigt ungemein, weil man nur dann in der Lage ist, die richtige Entscheidung zu treffen.
  6. Nehmt einen alten Sozialplan und rechnet eure finanziellen Verhältnisse durch.
  7. Redet miteinander. Die Wirtschaftskrise bringt Millionen von Menschen hervor, die sich mit diesen Themen auseinandersetzen sollten. Also Augen auf und nicht Augen zu. Verdrängen bringt mit Sicherheit irgendwann in Bedrängnis.

Hat man all das vorbereitend getan, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, nicht vom Sturm über Bord gefegt zu werden. Entweder man bleibt an Bord (wird nicht gekündigt oder erfolgreiche Kündigungsschutzklage) oder man sitzt in einem Beiboot, das so stabil ist, das eine Chance besteht, ein rettendes Ufer zu erreichen. Doch denkt daran, in Zeiten der Wirtschaftskrise sind manche Ufer sehr weit weg und wie das Land dort aussieht weiß man auch nicht.

Mut zur eigenen Verantwortung. Was sonst? Etwa Kopf in den Sand? Mir ist es lieber, ich sehe etwas, schon allein deshalb, weil der Sand ganz schön in den Augen zwickt. Auch das möge man bei der Wahl seiner Mittel bedenken.