Schönung der Arbeitslosenstatistik

21.07.2009 von Inken Wanzek

Es ist nicht neu, aber es erstaunt immer wieder. Kurzarbeit, die schärfste Wirtschaftskrise seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland und die Arbeitslosenzahlen sinken. 3,46 Millionen Arbeitslose hatten wir im Mai, eine leichte Verbesserung gegenüber dem Vormonat.

Doch, so fragen sich nicht nur die Experten, wie viele Arbeitslose haben wir tatsächlich? Um dies herauszufinden, muss man sich die so genannten arbeitspolitischen Maßnahmen genauer ansehen.

Beispiel 1: Kommerzielle Jobvermittler

Arbeitslose werden nicht mehr von der Agentur der Arbeit betreut, sondern zu kommerziellen Jobvermittlungen geschickt. Der Arbeitslose geht zwei Mal die Woche dorthin. Der Termin dauert zwischen zehn Minuten und einer halben Stunde. Der Arbeitslose sucht Arbeit, genauso wie zuvor, aber es gilt:

Arbeitslose, die von der Agentur für Arbeit betreut werden, gelten als arbeitslos. Arbeitslose, die von einer kommerziellen Jobvermittlung betreut werden, zählen nicht zu den Arbeitslosen.

Klar dürfte sein, der Steuerzahler bzw. die Arbeitnehmer finanzieren über ihre Beiträge diese private Jobvermittlung. Es kostet Geld, Statistiken zu schönen. Die Begründung der Bundesregierung: Die Arbeitslosen befänden sich in arbeitspolitischen Maßnahmen, wenn sie von privaten Vermittlern betreut werden und fallen daher aus der Statistik.

Der Staat beauftragt immer mehr solcher kommerziellen Jobvermittler. Der Zuwachs liegt bei 65 Prozent und ein Ende ist nicht abzusehen.  Selbst die Arbeitsagentur gibt zu, dass dadurch auch in Zukunft noch viele weitere Arbeitslose aus der offiziellen Arbeitsmarktstatistik herausfallen werden.

Diese „arbeitspolitische Maßnahme“ drückt die Arbeitslosenstatistik mit Abstand am meisten.

Beispiel 2: Über 58-jährige

Über 58-jährige, die über ein Jahr kein Jobangebot bekommen haben, werden aus der Statistik herausgerechnet. Sie sind, so die Begründung der Arbeitsagentur, angeblich nicht vermittlungsfähig. Die Arbeitslosenzahl sinkt, wenigstes kostet es kein zusätzliches Geld.

Beispiel 3: Kranke

Kranke zählen nicht. Damit sind nicht Langzeitkranke gemeint, sondern jeder Arbeitslose, der ein paar Tage krank ist, beispielsweise unter Bauchschmerzen leidet. An den Krankheitstagen fällt er aus der Statistik. Auf diese Weise fehlen rein rechnerisch fast 100.000 Arbeitslose im Mai in der Statistik.

Wie viel Arbeitslose haben wir nun wirklich, wenn wir die Arbeitslosen dazurechnen, die sich in diesen drei arbeitspolitischen Maßnahmen befinden? Es waren im Mai mindestens 5,2 Millionen. Dann gibt es ja noch Weiterbildungsmaßnahmen, Praktika und und und …

Wir können also Hoffnung haben, dass auch in Zukunft die Arbeitslosenzahl in der Statistik nicht signifikant ansteigt. Den Arbeitslosen und der Gesellschaft  hilft das wenig.