Sinkende Löhne und Niedriglohn im Kommen

23.08.2009 von Inken Wanzek

Seit 1995 ist laut einer Studie der der Universität Duisburg eine wachsende Umverteilung der Einkommen von unten nach oben beobachten.

Lohnentwicklung

Innerhalb von 10 Jahren stiegen die Reallöhne der Besserverdienenden um 3,5 Prozent, während die Realeinkommen der Geringverdiener um fast 14 Prozent sanken. Als besser verdienend gilt man ab einem Stundenlohn von 21,20 Euro. Zu den Geringverdienenden zählt man bei einem Stundenlohn von weniger als 9,85 Euro.

Niedriglohn

In Deutschland arbeitet inzwischen jeder fünfte Arbeitnehmer für weniger als 9,85 Euro und zählt damit zu den Geringverdienern. „Der Anteil der Beschäftigten im Niedriglohnbereich ist zunächst unbemerkt gewachsen und hat mittlerweile mit 22 Prozent beinahe das Niveau in den USA erreicht“, sagt Bettina Hieming vom Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg. Dies erklärt, warum immer mehr Geringverdiener trotz Vollzeitjob staatliche Unterstützung beantragen müssen.

Bei Teilzeitbeschäftigten, befristet und geringfügig Beschäftigten erhält sogar jeder zweite einen Niedriglohn, wie das statistische Bundesamt auswies. Von den Arbeitnehmern in einem regulären Beschäftigungsverhältnis arbeiten elf Prozent für einen Niedriglohn.

Mittelschicht betroffen

Der Anteil der regulären Beschäftigungsverhältnisse ist in den letzen zehn Jahren deutlich zurückgegangen. 1998 hatten noch 75 Prozent der Erwerbstätigen ein Normalarbeitsverhältnis, 2008 waren es nur noch 66 Prozent, d.h. ein Drittel der arbeitenden Bevölkerung arbeitet bereits in prekären Beschäftigungsverhältnissen, die meist kein sicheres und ausreichendes Einkommen bieten, welches für eine dauerhafte Lebensplanung erforderlich ist.

1995 konnten noch gut 63 Prozent der Beschäftigten ein mittleres Einkommen vorweisen. Innerhalb von zehn Jahren sank ihr Anteil jedoch um elf Prozent auf 52 Prozent der Beschäftigten. Die Zahl der Geringverdiener stieg in diesem Zeitraum um zwei Prozent auf 6,5 Millionen.

67,5 Prozent der Niedriglohnbeschäftigten können eine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen, nur knapp ein Viertel besitzt keine Qualifikationen. Beschäftigung in Niedriglohn und prekären Beschäftigungsverhältnissen ist also nicht nur ein Problem unqualifizierter Arbeitnehmer.

Ursachen

Als Ursache für die steigende Anzahl der Geringverdiener macht die Uni Duisburg in ihrer Studie zwei Komponenten aus: Erstens haben viele Unternehmen die Arbeitgeberverbände verlassen, sind also aus dem Tarifvertrag ausgestiegen, um zu geringeren Löhnen beschäftigen zu können. Zweitens habe Hartz IV den Druck auf Arbeitslose erhöht, schlechter bezahlte Jobs anzunehmen.