Sinkender Reallohn in Deutschland

30.08.2009 von Inken Wanzek

Seit 2005 sind die Unternehmensgewinne um 61 Prozent gestiegen. Die Einkommen der Arbeitnehmer dagegen sind in den letzten fünf Jahren durchschnittlich um 0,8 Prozent pro Jahr gesunken. Dies stellt einen Reallohnverlust von 4 Prozent dar, „eine Entwicklung, die es nie zuvor in diesem Ausmaß gegeben hat“, so das  Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Damit ist Deuschland das einzige EU-Land, das einen Reallohnverlust hinnehmen musste. In allen anderen EU-Staaten wuchsen die preisbereinigten Bruttolöhne. So stiegen sie beispielsweise in Frankreich seit 2000 um 9,6 Prozent, in Großbritannien um 26,1 Prozent und in Österreich, dem Land mit der zweitniedrigsten Wachstumsrate, noch um 2,9 Prozent.

Ein wichtiger Grund für diese schwache Entwicklung in Deutschland sei die Tatsache, dass die Beschäftigten im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt niedrigere Lohnerhöhungen bekommen hätten, als in den Tarifverträgen vereinbart worden sei. Wesentliche Ursachen dafür seien die rückläufige Tarifbindung der Unternehmen sowie Möglichkeiten, auf betrieblicher Ebene von tarifvertraglichen Standards nach unten abzuweichen.

Mehr Arbeitsplatzsicherheit hat diese Lohnbescheidenheit und der Verzicht auf Tariflöhne den Deutschen nicht gebracht. Vielleicht sollten die Deutschen wieder lernen, dass Verzicht von Arbeitgebern nicht belohnt, sondern nur ausgenutzt wird.