Wir ist nicht gleich Wir

02.09.2009 von Inken Wanzek

Immer wieder haben wir in einem Interessenausgleich die Worte gelesen: „um den notwendigen Personalabbau zu erreichen und damit die Beschäftigung für die übrige Belegschaft zu sichern, werden die nachfolgend beschriebenen Maßnahmen umgesetzt.“

Mit diesem Satz beginnt die Mär „wenn ihr geht, können wir bleiben“. Wie sich inzwischen herausgestellt hat, handelt es sich stets um ein Märchen, das Münchhausen hätte erzählen können.

Und trotzdem funktioniert dieser Satz immer wieder. Warum?

Weil hier vom Arbeitgeber ein Wir erzeugt wird, das suggeriert, wenn ihr meiner Lösung zustimmt, wird der Großteil von euch gerettet. Verschwiegen wird stets, dass der Großteil immer kleiner wird.

Ein-Drittel-Modell

Darum haben wir unser heutiges Flugblatt diesem suggestiven „Wir“ gewidmet.

Wir als Mitarbeiternetz NCI  handeln daher nach dem Ansatz: „Sie haben ein Problem“ und „Wir, der Betriebsrat und die Belegschaft, haben in Folge davon ein anderes“.

Dies bricht das suggestive Wir sofort auf und ermöglicht es problemlos, Arbeitnehmerinteressen von Arbeitgeberinteressen zu trennen.  Dies wiederum  lässt zu, wie ein Anwalt Lösungen für die Interessen der Belegschaft  zu finden. Der Arbeitgeber hat seine eigenen Anwälte, der Betriebsrat braucht seine Interessen nicht zu vertreten. Die Belegschaft hat den Betriebsrat und ist gut beraten, einen zu haben, der zwischen dein Problem, Arbeitgeber, und mein Problem, als Betriebsrat und Belegschaft, unterscheiden kann.

Damit sind die Positionen klar und damit ist es möglich, auch in den trickreichsten Verhandlungen eine eindeutige Position für die Interessen der Belegschaft zu halten. Dies allein lässt konstruktive Gespräche in gleicher Augenhöhe zu, gibt aber auch die Kraft zu Auseinandersetzungen, dort, wo diese im Interesse der Belegschaft erforderlich sind.

Der Unterschied mag nicht groß sein – aber er ist entscheidend!

Flugblatt des Mitarbeiternetzes NCI