Der Wechsel in der Spitze – eine neue Chance für NSN?

05.09.2009 von Inken Wanzek

Wie bereits berichtet, tritt Simon Beresford-Wylie zum 1. Oktober von seinem Posten als Vorstandsvorsitzender von Nokia Siemens Netzworks zurück. Nachfolger wird Rajeev Suri, der bislang die Service-Sparte des Mobilfunknetz-Herstellers geleitet hat. Suri ist 41 Jahre, kommt aus Indien und ist seit 1995 zunächst bei Nokia, später dann bei NSN tätig.

Suri wird eine einmonatige Einarbeitungszeit zugestanden, in der er von Beresford- Wylie unterstützt wird. Laut Handelsblatt ist es in der Branche ein offenes Geheimnis, das Simon Beresford-Wylie kein glückliches Händchen bei der Integration der Netz-Sparten von Nokia und Siemens gehabt hat. „NSN hat seit der Fusion vor zwei Jahren kontinuierlich Marktanteile verloren“, sagte Håkan Wranne, Telekom-Analyst bei der schwedischen Swedbank. „Eigentlich ist alles in die falsche Richtung gelaufen“, urteilte der Experte. Im zweiten Quartal dieses Jahres machte NSN erneut einen Verlust von 188 Mio. Euro.

Während Konkurrent Ericsson mit einem Marktanteil von 32 Prozent unangefochten an der Weltspitze steht, konnte Nokia Siemens Networks im zweiten Quartal dieses Jahres bei Mobilfunknetzen nur noch einen Marktanteil von 20 Prozent erreichen. Ende 2008 waren es noch 26 Prozent. Insbesondere drängt die chinesische Konkurrenz, Huawei und ZTE, auf den Markt für Mobilfunknetze. Huawei konnte seinen Marktanteil auf 17 Prozent ausbauen und liegt damit nur noch knapp hinter NSN. Auch ZTE konnte seinen Marktanteil innerhalb eines Jahres auf sieben Prozent verdoppeln. „Die chinesischen Hersteller sind mittlerweile für die Mobilfunkbetreiber zu einer richtig seriöse Alternative geworden“, sagte Analyst Wranne. NSN erwartet weiter sinkende Marktanteile.

NSN verzeichnet also seit seiner Gründung einen stetigen Verlust von Marktanteilen. Dies dürfte ein Grund für den Rücktritt von Simon Beresford-Wylie sein. Hinzu kommt, dass Ericsson mit 1,1 Mrd. Doller das Angebot von NSN beim Kauf der LTE-Sparte von Nortel überbot. Mit diesem Kauf hätte sich NSN auf einen Schlag wichtiges Know-how sichern können.

Experten schreiben den gescheiterten Kauf der Nortel-Sparte durch NSN auch der mangelnden Unterstützung der Mutterkonzerne Nokia und Siemens zu. Für beide Häuser ist NSN  laut Handelsblatt  zu einer Belastung geworden, denn das Joint Venture hat seit seiner Gründung meist rote Zahlen geschrieben. Daran änderte  laut Expertenmeinung  auch der permanente Stellenabbau und andere Sparmaßnahmen bei NSN nichts. Gebremster Investitionswille der Telekom-Konzerne lässt sich eben durch diese Maßnahmen nicht auffangen.

Unter Analysten wird bereits diskutiert, ob sich die Mutterkonzerne Nokia und Siemens möglicherweise von NSN trennen könnten. „Für Nokia ist der Bereich nicht mehr so wichtig. Und das könnte auch für Siemens gelten“, erklärte Mikael Schröder, Analyst beim finnischen Börsenmakler FIM, gegenüber der finnischen Wirtschaftszeitung Kauppalehti. Bislang haben die beiden Mutterkonzerne jedoch keine Ausstiegssignale gegeben.

Der neue NSN-Chef Suri ist sich der schwierigen Aufgaben bewusst. „Es gibt viele Herausforderungen“, sagte er, um schnell hinzuzufügen, dass er vor allem aber „Möglichkeiten“ für NSN sieht. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt.