Outplacement und was dann?

08.09.2009 von Inken Wanzek

Zunächst sollte jeder beachten, der mit dem Gedanken spielt über Outplacement einen Neuanfang zu wagen: Es ist aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Lage und der sich immer mehr anspannenden Situation auf dem Arbeitsmarkt schwierig, in nächster Zeit einen Job zu finden, der bis zur Rente trägt. Illusionen sollte man sich keinen hingeben, sondern einen solchen Schritt sehr genau überlegen.

Es kann alles gut gehen. Man bekommt einen neuen Job, das Gehalt stimmt und man fühlt sich dort wohl, hat zusätzlich die Abfindung auf dem Konto. Die Probezeit ist gut überstanden und man hat die Hoffnung, die nächsten Jahre, vielleicht sogar bis zur Rente, geht es gut. So oder so ähnlich hofft es wohl jeder, der über Outplacement oder beE die Firma verlässt.

Doch die Wirklichkeit sieht häufig anders aus. Das Gehalt, es ist deutlich niedriger als das alte, aber damit kann man leben, wenn alles andere stimmt. Nur Sparen ist nicht viel. Egal, die Zinsen sind ohnehin niedrig.

Die Probezeit. Es stellt sich heraus, man wird in ihr gekündigt. Dies ist ohne Angaben von Gründen möglich. War es nur eine Scheinvermittlung? Wurde man gekündigt, weil Arbeitsplätze abgebaut werden und eine Kündigung in der Probezeit problemlos ist? War man dem neuen Job doch nicht gewachsen? Die Gründe können vielfältig sein. Das Ergebnis ist das Gleiche: Arbeitslosigkeit.

Doch so schwarz wollen wir nicht sehen.

Die Wirtschaft erholt sich, sagen alle, und verschweigen dabei, dass wir immer noch tief in einer Rezession stecken. Doch im Betrieb, wo man nun ist, werden Arbeitsplätze abgebaut. Man stellt nun fest, man ist der/die Neue, gehört zu denen mit der kürzesten Betriebszugehörigkeit. Besonderen Kündigungsschutz hat man keinen mehr, den Jubilarschutz gibt es nicht und den tariflichen Kündigungsschutz auch nicht, da die Firma nicht tarifgebunden ist.  Sozialplan. Sozialauswahl. Man gehört zu den Kandidaten, die schlechte Karten haben, da die Betriebszugehörigkeit zu gering ist. Die Abfindung ist niedrig, man ist ja erst kurz da. Aber man hat ja noch die Abfindung von NSN. Das Ergebnis: Arbeitslosigkeit.

Man ist in ein Unternehmen gewechselt, dass irgendwie mit Siemens, Nokia oder NSN verbandelt ist. Der Brief: Die Abfindung ist zurückzuzahlen (Brutto!). Die Rückzahlung kann ich steuerlich geltend machen, ist nicht so schlimm. Dann werden Stellen abgebaut. Die geringe Betriebszugehörigkeit bedingt schlechte Sozialdaten. Kündigungsschutzprozess. Man hat eine Chance, aber wegen der schlechten Sozialdaten auch ein hohes Risiko. Die Abfindung ist niedrig, man ist ja erst kurz da. Die Abfindung von NSN. Sie ist zurückzuzahlen (Brutto), gut, wenn man sie noch Netto hat.  Das Ergebnis: Arbeitslosigkeit.

Suche nach einer neuen Stelle …

Bei NSN wird abgebaut. Mich trifft es, weil ich dageblieben bin. Gute Sozialdaten und vielleicht besonderen Kündigungsschutz. Sozialplan. Abfindung. Die Übliche, jedes Jahr. Die Abfindung ist nicht so schlecht, da ich lang bei der Firma bin. Konnte in den letzten Jahren etwas zur Seite legen, denn mein Gehalt ist gut. Beschäftigungsgesellschaft, zwei Jahre, keine drei mehr, weil das Arbeitsamt nicht mehr zahlt. Vor zwei Jahren habe ich schon mal Nein gesagt. Sage ich wieder, noch rechnet es sich nicht. Kündigung? Gute Chancen im Kündigungsschutzprozess, Weiterbeschäftigungsanspruch, da der Betriebsrat der Kündigung widersprochen hat. Habe ich nicht Jubilarschutz? Doch lieber Abfindung? Nein, ich warte, die Arbeitslosigkeit bleibt mir immer noch. Wie lange ich das Spiel schon gezwungen bin zu spielen? Seit Januar 2003. Mein Kollege war 2005 das erste Mal “dabei”. Er hat’s gemacht wie ich. Das sind, wenn ich so rechne, 6 Jahre bei vollem Gehalt. Meine Abfindung und beE von damals, die ich hätte kriegen können, wäre schon lange verbraucht und ich in Hartz IV. Oder im Traumjob? Träume weiter. So aber bin ich (noch) bei NSN und mit ein bisschen Glück schaffe ich es ohne Hartz IV bis zur Rente.