Olli-Pekka Kallasvuo: Wenig Einfühlungsvermögen in die Lage seiner Mitarbeiter

12.09.2009 von Christine Rosenboom

In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Focus“ (neueste Printausgabe) äußerte sich Olli-Pekka Kallasvuo, Vorstandsvorsitzender von Nokia und Aufsichtsratsvorsitzender von NSN zur Schließung des Werkes in Bochum im Mai 2008.

Wenn man rückblickend betrachtet, wie wir diese Entscheidung umgesetzt haben, welche Übereinkünfte wir mit der Landesregierung getroffen haben und wie wir mit den Mitarbeitern umgegangen sind, dann muss man feststellen, dass wir sehr verantwortungsbewusst gehandelt haben“, erklärte Kallasvuo. Er hoffe, „dass die Mitarbeiter trotz aller Traurigkeit nachempfinden können, dass wir bestmöglich gehandelt haben – auch wenn das Ergebnis keinem gefallen hat.

Kallasvuo hat offensichtlich keinerlei Respekt für die ehemaligen Bochumer Mitarbeiter und kein Gefühl für das, was Nokia in Bochum angerichtet hat. Seine Aussage klingt zynisch und zeugt von wenig Einfühlungsvermögen in die Lage seiner Mitarbeiter.

Bis Ende des Jahres werden etwa 300 Ex-Nokia-Mitarbeiter, die bis heute noch keinen neuen Job über die Beschäftigungsgesellschaft gefunden haben, ihren Weg in die Langzeitarbeitslosigkeit gehen. Als verantwortungsvoll kann man diesen Umgang mit den Mitarbeitern auf keinen Fall bezeichnen.

Die ehemaligen Mitarbeiter empfinden auch sicher keine „Traurigkeit“ (mehr) darüber, dass das Nokia-Werk geschlossen wurde. Sie empfinden wohl eher Wut darüber, dass das Nokia-Management ihre Existenzen vernichtet hat,

  • obwohl das Werk in Bochum mit einem Gewinn von 134 Mio. Euro im Jahr 2007 profitabel war,
  • obwohl die Mitarbeiter noch vor Weihnachten 2007 Sonderschichten und Überstunden einlegen mussten – während der Konzernvorstand seine erst im Januar 2008 bekannt gegebene Entscheidung über die Schließung traf,
  • obwohl Nokia damals noch eine Gewinnmarge von 15 Prozent erzielte, die Kallasvuo allerdings nicht hoch genug war.

Von der Schließung der Produktion waren nicht nur 2.000 der rund 2.300 festangestellten Nokia-Mitarbeiter betroffen, sondern auch etwa 1.000 Leiharbeiter und weitere 1.000 Mitarbeiter von Zuliefererfirmen, deren Arbeitsplatz durch die damalige Entscheidung des Nokia-Managements vernichtet wurde.