SEN: Die Lage ist ernst und kritisch

16.09.2009 von Inken Wanzek

Die Lage bei SEN ist kritisch und ernst. Die Gründe sind vielfältig, sind aber vor allem in einem überzogenen Personalabbau und in Führungsschwäche begründet.

Starke Fluktation in der Führungsebene

Die Lage bei SEN ist auch durch starke Fluktationen in der Unternehmensführung gekennzeichnet, was das operative Geschäft nicht einfacher macht. Belegschaft und auch Kunden zeigen sich verunsichert. So haben bzw. werden die Hälfte der leitenden Angestellten aus dem OFK das Unternehmen in diesem Jahr verlassen. „Vertrauen in die Zukunft der SEN sieht anders aus“, kommentiert der Gesamtbetriebsrat diese Fluktation.

Im Juli dieses Jahres verließ James O’Neill, CEO bei SEN, seinen Posten. Er übernimmt innerhalb der Gores-Group, zu der SEN gehört, andere Aufgaben. Für ihn führt der Aufsichtsratvorsitzende Mark Stone die Geschäfte. Dieser kontrolliert sich damit sozusagen selbst. Zugleich hat der Chef des zentralen Service-Geschäfts, Rainer-Christian Koppitz, die Firma verlassen. Seinen Bereich teilen sich nun der frühere Fujitsu-Siemens-Manager Richard Schlauri und Gerald Kromer. Das weltweite Senior Executive Team (SET) hat sich insgesamt um fünf Mitglieder reduziert. Vielfach sind noch keine Nachfolger benannt worden. Der Gesamtbetriebsrat fordert, diesen „unmöglichen“ Schwebezustand schnell zu beenden.

Folgen von Kurzarbeit und Stellenabbau

Wie bereits berichtet, befinden sich die Kolleginnen und Kollegen bei SEN  in Kurzarbeit, um weiteren Personalabbau und Kündigungen zu verhindern. Dies führte jedoch zu gravierenden Engpässen im täglichen Geschäft. Auch in Bereichen, die von Kurzarbeit ausgenommen werden, sind Engpässe vorhanden, die sich auf die Kundenzufriedenheit auswirken. Vereinzelt mussten schon Vertragsstrafen gezahlt werden. Techniker und Vertriebsleute versuchen die Kunden zu beruhigen und so gut wie möglich die Serviceleistungen zu erbringen.

Doch dies allein genügt nicht. SEN fehlt offensichtlich ein verantwortungsvolles Management. Kurzarbeit und Personalreduzierung haben das Unternehmen bereits jetzt bis an die Grenzen seiner Belastbarkeit gebracht. „Spätestens jetzt muss mit blindem Kopfzahldenken Schluss sein“, fordert der Gesamtbetriebsrat. Der Gesamtbetriebsrat habe die Geschäftsführung bereits im Vorfeld vor überzogenem Personalabbau gewarnt.

Geplante Reduzierung von SEN Standorten

Doch die Sanierungsmaßnahmen gehen weiter. Mit dem neuen Standortkonzept „RE MOVE 25“ sollen die SEN Standorte in Deutschland von 44 auf 12 Niederlassungsstandorte reduziert werden. Durch die Zusammenlegung der Standorte will man Raummieten und Flächenkosten reduzieren. Ohne weiteren Personalabbau wird das nicht gehen. Die Frage, wie die verbleibenden, ohnehin schon überlasteten Mitarbeiter, die anstehende Arbeit bewältigen und die Qualität halten sollen, bleibt unbeantwortet. Das Management lernt nicht dazu, beharrt stur auf einfacher Kopfzahlrechnung. Der Gesamtbetriebsrat hat ein Gegenkonzept vorgelegt, mit dem Einsparungen erzielt werden können, ohne dass dies zu Umzügen, sozialen Härten und endlosen Wegezeiten vieler Mitarbeiter führt.

Entscheidend für die Zukunft von SEN – und dies gilt auch für andere Firmen – ist ein Umdenken im Management. Im Mittelpunkt muss die Kundenzufriedenheit stehen, denn diese und nur diese bringt Kundenbindung mit sich. Kundenzufriedenheit erfordert aber eine ausreichende Anzahl an Mitarbeitern. Zu wenig Mitarbeiter können nur das Notwendigste abdecken, aber keine stabile Kundenzufriedenheit generieren. Leider scheint sich dies in den Köpfen der Manager nicht durchzusetzen, seit Jahren wird hier das gleiche Konzept geführt: Stellenabbau, ein sich immer schneller drehendes Rad, an dessen Ende der Untergang des Unternehmens steht. Die Unfähigkeit der Manager, die sich von einem Posten zum anderen retten können und dabei nicht wenig Geld bekommen (verdienen ist nicht das richtige Wort), müssen die Mitarbeiter ausbaden, für die am Ende oft die Arbeitslosigkeit und Hartz IV steht. Dies zeigt weder von wirtschaftlicher noch von sozialer Verantwortung!