Das Recht, einen Betriebsrat hinzuzuziehen

17.09.2009 von Inken Wanzek

„Ohne Arbeit“ im Betrieb zu sein, ist psychisch belastend. Dies steigert sich, wenn Chefs Druck ausüben. Die meisten Mitarbeiter versuchen zunächst alleine damit zurechtzukommen, versuchen zu erklären, zu diskutieren.

Doch dies hilft leider nicht immer, denn für Chefs, die zum Mittel des psychischen Drucks greifen, ist dies eine Strategie mit dem Ziel, den Mitarbeiter herauszudrängen.

Häufig ist dies gepaart mit Überforderung. Diese Chefs halten unklare Situationen nicht aus und glauben durch Druck, das Problem lösen zu können. Diese Erkenntnis entschuldigt aber keinen einzigen Chef, denn zu seinen Führungsaufgaben und zu seinem Führungspotenzial gehört es mit unklaren Situationen und schwer lösbaren Problemen zurechtzukommen. Alles andere disqualifiziert ihn als Führungskraft. Er reduziert sich selbst durch ein solches Verhalten als reiner Vorgesetzter, der einfach nur vor gesetzt ist. Weiter gehört es schlicht und einfach zum Mensch sein, mit anderen respektvoll umzugehen.

Leider spielen Mitarbeiter dieses unfaire Spiel oft viel zu lange mit. Sie glauben nicht, dass ihr Chef es böse meint, suchen anfangs nach Entschuldigungen für sein Verhalten, sagen sich selbst, er meint es nicht so, entschuldigen es mit Stress. Dabei steigt der eigene Stress, solange bis man es selbst nicht mehr aushält. Allzuoft eskaliert dann die Situation. Der Mitarbeiter fühlt sich gemobbt, der Chef fühlt sich bestärkt in seiner Strategie. Die Situation ist verfahren und für den Mitarbeiter unerträglich.

Wie löst man das Problem?

Erstens nicht zu lange warten, vor allem nicht so lange, bis man selbst ganz verzweifelt ist. Je früher man reagiert, desto besser sind die Chancen, dass das Problem „psychischer Druck“ gelöst werden kann. Ist es erst zu reinem Mobbing geworden, ist es vielfach nicht mehr lösbar, da dem Mitarbeiter die psychische Kraft fehlt.

Zweitens: Jeder Mitarbeiter hat das Recht, einen Betriebsrat zu Gesprächen mit seinem Chef mitzunehmen. Er sollte es rechtzeitig tun. Dies eröffnet Lösungsmöglichkeiten, denn der Betriebsrat kann sachlicher und vor allem emotionsloser die Probleme ansprechen. Allerdings sollte solchen Gesprächen erst ein ausführliches Gespräch zwischen Betriebsrat und Mitarbeiter vorausgehen, damit dieser mit der Situation vertraut wird. Und: Ein guter Betriebsrat handelt nie über den Kopf des Betroffenen hinweg. Er ist ein Partner, der auf der Seite des Mitarbeiters steht und diesen (wie ein Anwalt seinen Mandanten) verteidigt. Oft findet sich dann eine Lösung. Doch den Schritt zum Betriebsrat müsst ihr selbst tun.