Krankmeldungen – was ist zu beachten

19.09.2009 von Inken Wanzek

Immer wieder gibt es – auch bei NSN – Abmahnungen wegen fehlerhafter Krankmeldungen. Manchmal verschuldet allerdings auch der Arbeitgeber eine angeblich fehlerhafte Krankmeldung, beispielsweise dadurch, dass die interne Postzustellung nicht klappt.

Wir wollen euch daher ein paar Regeln nennen, die Arbeitnehmer bei einer Krankmeldung beachten müssen, damit ihr auf der sicheren Seite seid. Denn schließlich kommen jetzt Herbst und Winter und mit ihnen die Erkältungskrankheiten.

Wann darf man zu Hause bleiben?

Die Frage klingt einfach, manchmal ist sie aber nicht so einfach zu beantworten. Die Antwort hängt nämlich auch vom Jobprofil ab. Ein Lagerarbeiter, der ständig auf den Beinen ist, wird durch ein gebrochenes Bein, das in einem Gehgips steckt, arbeitsunfähig, an der Schreibtischarbeit hindert es nicht unbedingt.

Falsch verstandene Arbeitsdisziplin nützt aber keinem: Wer stark erkältet ist, vor Husten und Schnupfen kaum mehr aus den Augen schauen kann, sollte sich auskurieren – schon um der Kolleginnen und Kollegen willen.

Doch klar gilt: Wer arbeitsunfähig (geschrieben) ist, darf zu Hause bleiben.

Krankmeldung – Spätestens zum Arbeitsbeginn

Die meisten Fehler passieren bei der Krankmeldung. Krank melden muss man sich sofort, das heißt: Spätestens zum Arbeitsbeginn. Die Krankmeldung können auch Angehörige oder Freunde übernehmen.

Also nicht zuerst zum Arzt gehen, im Wartezimmer warten, zurückkommen, erst dann beim Arbeitgeber anrufen und die Krankmeldung, die man vom Arzt möglicherweise bekommen hat, abschicken. Eine solche Krankmeldung ist fehlerhaft, da verspätet.

Am besten ist es, gleich am Morgen zum Telefon zu greifen oder eine E-Mail an den Vorgesetzten zu schreiben, in der man ihm mitgeteilt, dass man krank ist. Den Grund muss man nicht nennen. Weiter sollte man verlässliche Kollegen bzw. Kollegen mit denen man im Projekt zusammenarbeitet sowie die zuständige Abteilungssekretärin ins CC der Krankmeldungsmail setzen. Damit ist die Gefahr minimiert, dass die Krankmeldung untergeht, weil der Chef beispielsweise dienstlich außer Haus ist oder ähnliches. Die Antwort: Ich habe nichts erhalten, ist auf diese Weise leicht zu widerlegen.

Also: Notiert euch die dienstliche Telefonnummer und E-Mail eures Chefs und hebt sie zu Hause auf, damit ihr sie dann zur Hand habt. Wir empfehlen den Gebrauch der E-Mail, denn darüber lässt sich nachweisen, dass man sich rechtzeitig krankgemeldet hat.

Wann muss man eine ärztliche Bescheinigung vorlegen?

In der Regel können Arbeitnehmer bis zu drei Tagen wegen Krankheit zu Hause bleiben, ohne ein ärztliches Attest vorlegen zu müssen. Spätestens am vierten Tag muss man zum Arzt gehen und sich krankschreiben lassen. Achtung: Wochenende und Feiertage zählen mit! Wer sich also am Donnerstag krank meldet, muss für Montag bereits ein Attest vorlegen.

Die Krankmeldung (gelber Schein) ist unverzüglich an die Firma zu schicken. Der weiße Durchschlag geht an die Krankenkasse.

Verlängerung der Krankschreibung

Auch hier gilt: Bevor man erneut zum Arzt geht, um die Krankschreibung verlängern zu lassen, muss man – wie vor der ersten Krankschreibung – den Arbeitgeber bis spätestens zum Arbeitsbeginn darüber informieren, dass man noch nicht gesund ist. Das neue Attest ist dann unverzüglich an den Arbeitgeber zu schicken.

Was muss man dem Chef über den Krankheitsverlauf sagen?

Arbeitgeber haben ein Recht auf eine ungefähre Einschätzung, wann der Mitarbeiter wieder fit sein wird, um planen zu können. Die genaue Diagnose dagegen geht niemanden am Arbeitsplatz etwas an. Der Arbeitnehmer ist nicht verpflichtet darüber Auskunft zu geben.

Ist erkennbar, z.B. Armbruch, dass die Krankheit länger dauert, muss man den Arbeitgeber frühzeitig darüber informieren.

Krank und von Kollegen oder Chef auf der Straße gesehen

Wenn der Arzt nicht ausdrücklich Bettruhe angeordnet hat, kann der krankgemeldete Arbeitnehmer einkaufen oder spazieren gehen. Es ist alles erlaubt, was die Heilung nicht verzögert oder gefährdet. Eine Begegnung mit Kollegen oder Chef muss einem daher nicht peinlich sein. Beispielsweise darf man mit einem eingegipsten Arm durchaus ins Kino gehen oder mit Freunden in eine Kneipe.

Abhängig von der Krankheit, z.B. Burn-out, können sogar sportliche Aktivitäten, Kino oder eine Erholungsreise förderlich sein, um den Gesundheitszustand möglichst schnell wieder herzustellen. Doch in diesen Fällen sollte man dies unbedingt mit dem Arzt absprechen, damit dieser gegebenenfalls bestätigt, dass diese Maßnahmen notwendig waren.

Was ist, wenn man im Urlaub krank wird?

Wird man im Urlaub krank, kann man sich aus dem Urlaub heraus krankmelden. Die Urlaubstage, in denen man krank ist, werden dann gut geschrieben. Allerdings dürfen diese Urlaubstage nicht einfach an den Urlaub angehängt werden! Sie müssen im Betrieb ganz normal beantragt werden.

Arbeitnehmer müssen jedoch nachweisen, dass sie im Urlaub krank geworden sind. Dafür benötigen sie das ärztliche Attest vom ersten Tag an.

Wird man im Ausland krank, unterliegt man auch hier den üblichen Mitteilungspflichten. Die Arbeitsunfähigkeit muss man sich auch hier ärztlich bescheinigen lassen. Außerdem muss man der Firma die Adresse des Aufenthaltsortes mitteilen und die Krankenkasse informieren. Also nie ohne die Telefonnummer des Chefs in den Urlaub.

Resturlaub und krank?

Kann man einen Resturlaub wegen Krankheit nicht antreten, verfällt er zum üblichen Stichtag.

Arztbesuch während der Arbeitszeit?

Selbstverständlich darf man während der Arbeitszeit zum Arzt gehen, wenn man akut erkrankt. Routinebesuche wie Zahnarzt müssen außerhalb der Arbeitszeit liegen. Auch für Besuche bei einem Spezialisten, die zeitlich in die Arbeitszeit fallen, muss man sich frei nehmen. Allerdings darf der Arbeitgeber den dazu erforderlichen Urlaub nicht einfach verweigern.

Wie lange bekommt man Gehalt?

Der Arbeitgeber muss sechs Wochen lang das volle Gehalt weiterzahlen. In manchen AT-Verträgen ist eine längere Gehaltsfortzahlung vereinbart, dann gelten diese Bestimmungen. Eine Vereinbarung über eine kürzere Gehaltsfortzahlung ist nicht rechtens.

Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als sechs Wochen, zahlt die gesetzliche Krankenversicherung weitere anderthalb Jahre Krankengeld. In der Regel sind dies 70 Prozent des Einkommens. Bei Privatversicherten gelten die Bestimmungen des Krankenversicherungsvertrags.

Wann kann der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung verweigern?

Ist man aufgrund einer eigenen groben Fahrlässigkeit erkrankt, kann der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung verweigern. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn man durch einen Autounfall verletzt wird, den man selbst durch Trunkenheit am Steuer verursacht hat oder an dem man beteiligt war. Doch es muss nicht immer Alkohol sein. Einem Lagerarbeiter, der sich einen Bänderriss zugezogen hatte, wurde die Lohnfortzahlung verweigert, weil er ein Regal hinaufgeklettert ist, anstatt eine Leiter zu verwenden. Gleiches gilt, wenn man auf einen Drehstuhl steigt, um einen Aktenordner aus dem Regal zu holen.

Zieht man sich Verletzungen im Sport zu, sind dies in der Regel keine selbstverschuldeten Verletzungen. Macht aber beispielsweise ein völlig untrainierter Beinahepensionär Bungee-Jumping und zieht sich dabei Verletzungen zu, dann kann ihm das als grobe Fahrlässigkeit ausgelegt werden.

Kann Krankheit ein Kündigungsgrund sein?

Fehlt jemand zwar kurz, aber immer wieder, dann kann das ein Kündigungsgrund sein. Als Maßstab gilt: Drei Jahre hintereinander müssen mehr als 30 Fehltage pro Jahr vorliegen. Dabei muss es sich allerdings um ein und dieselbe Krankheit handeln.

Bei Erkrankungen, die mehr als sechs Monate dauern, kann der Arbeitgeber nur dann kündigen, wenn der Arzt davon ausgeht, dass der Mitarbeiter binnen zwei Jahren nicht wieder einsatzfähig wird.