NSN zieht Nokia in die roten Zahlen

15.10.2009 von Inken Wanzek

Nokia Siemens Networks gab im dritten Quartal dieses Jahres eine Wertminderung des Unternehmens um 908 Mio. Euro bekannt. Insgesamt erleidet NSN einen operativen Verlust von 1,1 Mrd. Euro.

Auswirkungen auf Siemens

Auf Siemens könnte nun wegen des schwachen NSN-Geschäfts eine Abschreibung in Milliarden Höhe zukommen. “Es ist … nicht auszuschließen, dass Siemens bis zu 1,6 Mrd. EUR auf NSN abschreiben muss“, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person zu Dow Jones Newswires.

Die Siemens-Aktie verlor (Stand: bis 17:00 Uhr) nach Bekanntwerden des möglichen Ausmaßes der Abschreibung 0,71% auf 68,51 EUR.

Auswirkungen auf Nokia

Nokia traf die bekannt gegebene Wertminderung von NSN deutlich härter. Nokia meldete nun erstmals seit 16 Jahren rote Zahlen. Der erfolgsgewohnte Konzern (ab 1994 wurden in allen Quartalen Gewinne erzielt) hatte zwölf Monate zuvor noch einen Gewinn von gut einer Milliarde Euro verbucht.

Das dritte Quartal 2009 brachte Nokia überraschend einen Nettoverlust von 913 Millionen Euro. Hauptgrund dieser negativen Entwicklung seien die Verluste bei Nokia Siemens Networks in Höhe von 1,1 Mrd. Euro. Beim eigentlichen Handygeschäft schrumpfte Nokias Betriebsgewinn im dritten Quartal um 51 Prozent auf 785 Millionen Euro. Der Konzernumsatz sank gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 19,8 Prozent auf 9,8 Milliarden Euro.

Die Nokia Aktie verzeichnete je Aktie einen Verlust von 15 Cent. Ohne Berücksichtigung des Sondereffekts NSN hätte der Konzern einen Gewinn je Anteilsschein von 17 Cent verbucht. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem Gewinn je Aktie von 14 Cent gerechnet. Die Nokia-Aktie brach bis 17.00 Uhr um 11,6 Prozent ein.

Auswirkungen auf Nokia Siemens Networks

Die Umsätze von NSN waren im dritten Quartal um 21 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro eingebrochen. NSN dürfte nach Einschätzung von Nokia 2009 noch stärker Marktanteile einbüßen als bislang erwartet.

Um NSN steht es nicht gut. NSN ist zurzeit das größte Sorgenkind von Nokia. “Die Goodwill-Abschreibungen zeigen, wie schlimm es um NSN steht”, sagte WestLB-Analyst Thomas Langer und nannte das Gemeinschaftsunternehmen den “deutsch-finnischen Patienten”.

Trotzdem steht Nokia zu dem Gemeinschaftsunternehmen mit Siemens, das sich seit Jahren im Umbau befindet: Nokia unterstütze die Anstrengungen von NSN, seine Entwicklung zu verbessern, sagte Kallasvuo. „Wir werden Nokia Siemens Networks weiter bei Schritten zur Verbesserung der Lage unterstützen.“

Beide Anteilseigner hätten bereits das notwendige Kapital zur Verfügung gestellt. Grundsätzlich schätzt Nokia die Aussichten für das Ausrüstergeschäft jedenfalls nicht schlecht ein. Die Prognose für die gesamte Branche hoben die Finnen leicht an.

Für die Mitarbeiter dürfte die Zukunft nicht leichter werden. Mit neuen Restrukturierungsmaßnahmen ist zu rechnen. Umso wichtiger ist es, dass ihr euch informiert, dem Betriebsrat oder auch uns meldet, wenn in eurem Bereich die Arbeit entfällt. Der Arbeitgeber setzt auf Vereinzelung. Gemeinsam ist es leichter dem Arbeitgeber etwas entgegenzusetzen.