Siemens und Arques verhandeln über SHC

16.10.2009 von Christine Rosenboom

Die Beteiligungsgesellschaft Arques enthält der ehemaligen Siemens-Tochter Siemens Home and Office Communication Devices GmbH & Co. KG (SHC) etwa 20 Mio. Euro vor, die dieser vertraglich zustehen, berichtete die Financial Times Deutschland. Diese Summe braucht SHC spätestens im Dezember, um die bereits begonnene Restrukturierung weiter voranzutreiben.

Siemens-Chef Peter Löscher will einen zweiten Fall BenQ in jedem Fall vermeiden. “Wir sind mit Arques im Gespräch”, sagte eine Siemens-Sprecherin. Löscher geht es darum, die Zukunft des Gigaset-Geschäfts nachhaltig zu sichern. Notfalls werde Siemens selbst dafür sorgen, dass Gigaset weitermachen kann, erklärte Siemens.

Siemens hatte SHC am 1.10.2005 ausgegliedert und am 1.10.2008 für 36 Mio. Euro an Arques übertragen. Siemens hält noch 19,8 Prozent der Anteile an SHC und wird sich nach zwei Jahren aus dieser Beteiligung zurückziehen. Arques erhielt eine Mitgift von 70 Mio. Euro. Davon waren 20 Mio. für personelle Maßnahmen, also für die Finanzierung eines Stellenabbaus von 20 Prozent der Belegschaft, zweckgebunden.

Arques hatte SHC jedoch von Beginn an kein Geld zugeschossen, sondern dem Unternehmen 2008 eine “Bürgschaft auf erste Anforderung” von knapp 20 Mio. Euro eingeräumt. Eine solche Bürgschaft ist ein bedingungsloses Zahlungsversprechen und dient dazu, dass sich ein Gläubiger sehr schnell Liquidität besorgen kann. Der Arques-Vorstand weigert sich nun, diese Summe zu zahlen mit der Begründung, er zweifle die Notwendigkeit an.

Arques genießt, was ihr Geschäftsgebaren angeht, einen zweifelhaften Ruf und kämpft zudem selber ums Überleben. Arques ist darauf spezialisiert, sanierungsbedürftige oder bei Konzernen nicht mehr zum Kerngeschäft zählende Firmen zu symbolischen Preisen zu übernehmen, flottzumachen und dann wieder auszusteigen. Hohe Abschreibungen sowie Kosten für den Konzernumbau hatten Arques zuletzt tief in die roten Zahlen gestürzt. Beteiligungen wurden in Notverkäufen abgestoßen, teils mit hohen Verlusten. Erst am 30.9.2009 hatte das defizitäre Unternehmen das für das operative Geschäft verantwortliche Vorstandsmitglied Bernd Schell vor die Tür gesetzt, da er bei der Sanierung von Beteiligungen zuletzt keine großen Erfolge vorweisen können.

Unternehmenskreisen zufolge ist der Auftragseingang bei SHC jetzt mit Beginn des Weihnachtsgeschäfts so hoch wie nie zuvor. Im ersten Halbjahr stieg der Marktanteil bei Schnurlostelefonen in Europa auf rund 33 Prozent. Für die Restrukturierung wurden allerdings 23,5 Mio. Euro verbraucht. Vor allem dadurch fiel bei einem Umsatz von 263 Mio. Euro ein operativer Verlust (Ebitda) von 29 Mio. Euro an. Durch Abbaumaßnahmen und den Verkauf einer kleinen Sparte sank die Zahl der SHC-Mitarbeiter weltweit bislang von 2100 auf nur noch rund 1800.