Siemens und Nokia suchen offensichtlich Käufer für NSN

19.10.2009 von Inken Wanzek

Die schlechten Geschäftszahlen von Nokia Siemens Networks heizt die Diskussionen über einen Ausstieg von Siemens und Nokia aus dem Gemeinschaftsunternehmen an. Die Rede ist nun von einem möglichen Verkauf von NSN an.

Nokia und Siemens hätten sich nach Aussage eines Insiders in den vergangenen Monaten in der Finanzinvestorenbranche umgehört, berichtet die Financial Times Deutschland in ihrer heutigen Ausgabe. „Siemens wolle schon lange raus, Nokia jetzt auch.“, bestätigte eine mit der Sache vertrauten Person der FTD. Der Druck auf Nokia Siemens Networks wird von Analysten verstärkt. “Siemens sollte die erste gute Gelegenheit nutzen, ihren Anteil an Nokia Siemens Networks zu verkaufen”, sagt Andreas Willi von JP Morgan.

Ein Abnehmer, der sich für NSN interessieren würde, ist aber derzeit aber nicht in Sicht. Die Attraktivität von NSN ist seit Gründung des Joint Ventures im Jahre 2007 deutlich gesunken. Der Umsatz sinkt stetig. “Ich kann mir nicht vorstellen, dass NSN im augenblicklichen Zustand einen Finanzkäufer interessiert”, heißt es in Finanzkreisen. Siemens und Nokia hoffen auf den neuen NSN-Chef Rajeev Suri, der seit Anfang Oktober im Amt ist. Seine Aufgabe: Die Quartalsverluste beenden, sonst wird sich auch in den kommenden Wochen kaum ein Käufer finden lassen. Ein motivierendes Signal an die Belegschaft. Sie sollen für ihren eigenen Verkauf an einen Finanzinvestor arbeiten.

Eine baldige Wende bei dem Netzwerkausrüster halten Analysten für wenig wahrscheinlich. “Der Konzern ist weder bei Technologie noch bei Preisen führend”, sagt Phil Kendall, Experte bei dem Marktforschungsunternehmen Strategy Analytics. „Bei Aufträgen in Regionen, wie zum Beispiel in Afrika, kommen vor allem chinesische Anbieter wie Huawei oder ZTE zum Zuge. Bei technisch komplexen Aufträgen in entwickelten Märkten liegt häufig Marktführer Ericsson aus Schweden vorn.” Auch in den USA ist NSN zu wenig präsent. In dem wichtigen Markt wollte NSN das LTE-Geschäft von Nortel kaufen, doch Konkurrent Ericsson überbot Nokia Siemens Networks. Weiter verschärft wird die Lage durch den weltweit schrumpfenden Markt. Telekomkonzerne verzichten auf Innovationen, sodass NSN einen Rückgang des Branchenumsatzes von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr erwartet. Daher ist zu erwarten, dass die Preise in der Telekommunikationsbranche weiter sinken. Selbst der Marktführer Ericsson muss reagieren. “Für den Einkauf gilt es, die Kosten binnen fünf Jahren zu halbieren”, zitierte kürzlich die schwedische Branchenzeitung Ny Teknik aus einem Ericsson-Strategiepapier. So will der Konzern mit den Chinesen mithalten.

Siemens antwortete noch vor kurzem mit einem klaren Nein auf die Frage, ob das Unternehmen einen Ausstieg aus dem Joint Venture plant. Ein Verkauf ist offensichtlich dadurch nicht ausgeschlossen.

Die Stellungnahme von Siemens zu Spekulationen über die Zukunft von Nokia Siemens Networks ist unbestimmt wie immer. “Marktspekulationen kommentieren wir generell nicht”. Dies sagte ein Sprecher der Siemens AG auf Anfrage. “Der Vertrag zum Joint Venture NSN hat eine Laufzeit von sechs Jahren”, fügte er hinzu. Noch bis 2013 sind Siemens und Nokia damit vertraglich gebunden. Der Sprecher verwies jedoch generell darauf, dass jeder Vertrag in gegenseitigem Einverständnis abgeändert werden könne, dazu bedürfe es allerdings der Absicht und Zustimmung aller Anteilseigner.

Nokia wollte sich auf Anfrage zu einem möglichen Ausstieg aus dem Gemeinschaftsunternehmen nicht äußern. Allerdings deutete Nokia bei Bekanntgabe der Geschäftsergebnisse keinen Ausstieg aus Nokia Siemens Networks an. Vielmehr räumte Nokia-CEO Olli-Pekka Kallasvuo der Umsatzsteigerung und dem Ausbau des Marktanteils beim Netzausrüster NSN oberste Priorität ein, wohl um die Braut zu schmücken.

Damit befindet sich NSN in ähnlicher Lage wie SEN und andere von Siemens ausgegliederte Unternehmen. Zurzeit interessiert sich niemand für diejenigen, die offensichtlich niemand mehr haben will. Für die Belegschaften bedeutet dies: Mal wieder eine Atempause und die Hoffung, dass sich kein Käufer findet und die Angst, dass am Ende die Zerschlagung des Unternehmens durch Finanzinvestoren steht. Denn: Was soll ein Käufer besser machen als bisher? Der Markt ist wie er ist, Kosten lassen sich nicht in Unendliche senken. Das Einzige was helfen würde, wäre ein klares Bekenntnis zu NSN und Investitionen. Hätte man dies von Anfang an getan, wäre die Lage heute vielleicht besser.