Gigaset ein zweites BenQ?

31.10.2009 von Christine Rosenboom

Die Beteiligungsgesellschaft Arques tauschte im Oktober die Geschäftsführung ihres Schnurlostelefonherstellers Gigaset, der ehemaligen Siemens-Tochter SHC, größtenteils aus – ein Affront gegen Siemens, die noch 19 Prozent der Anteile an Gigaset hält.

Grund für den Austausch der Geschäftsleitung ist nach Informationen der FTD, dass Arques damit eine Geldforderung von Gigaset aushebeln will. Gigaset kann auf Basis einer “Bürgschaft auf erste Anforderung” jederzeit 20 Mio. Euro von Arques verlangen und hat dies kürzlich getan, um sich vor womöglich drohenden Liquiditätsengpässen im Dezember abzusichern.

Um diese Forderung abzublocken, setzte die finanzschwache Beteiligungsfirma nun kurzerhand das eigene Vorstandsmitglied Michael Hütten an die Gigaset-Spitze. Gehen mussten Finanzchef Andreas Schleicher und der für die Restrukturierung zuständige Uwe Dombrowski. Die beiden sollen die Ziehung der Garantie maßgeblich vorangetrieben haben. Hütten dürfte nun die Bürgschaftsforderung stoppen. In Finanzkreisen kursieren ohnehin Zweifel, ob Arques die Summe überhaupt leisten kann. Der bisherige Gigaset-Chef José Costa e Silva bleibt zwar noch in der Geschäftsführung, muss aber den Vorsitz an Hütten abgeben.

Dies ist ein Rückschlag für die laufende Sanierung bei Gigaset und ein Affront gegenüber Siemens. Mit dem Austausch der Gigaset-Führungsspitze verstärken sich Befürchtungen, dass Siemens das 2008 verkaufte Telefongeschäft massiv einholen könnte.