NSN-Umorganisation: Was heißt das für die Mitarbeiter?

03.11.2009 von Inken Wanzek

Umorganisation

Die Umorganisation soll getrennt vom Stellenabbau erfolgen.

Hier wird der Betriebsrat genau darauf achten, wer in welche Abteilungen umorganisiert wird, um zu verhindern, dass beispielsweise Abteilungen mit Mitarbeitern ohne Arbeit geschaffen werden. D.h. Abteilungen, vergleichbar mit Bad Banks im Finanzwesen, zur Entsorgung von Mitarbeitern darf kein Ergebnis dieser Umorganisation sein.

Ausgliederungen

Es ist mit weiteren Ausgliederungen zu Unternehmen wie TietoEnator oder Wipro zu rechnen. Ob ein Widerspruch gegen den Betriebsübergang sinnvoll ist, ist abhängig vom Unternehmen und der Gesamtsituation zum Zeitpunkt der Ausgliederung. Daher kann eine Einschätzung erst abgegeben werden, wenn weitere Details bekannt sind. Da es sich bei Ausgliederungen in den meisten Fällen auch um eine Betriebsänderung handelt, ist ein Interessenausgleich und Sozialplan zu verhandeln. Aber auch hier gilt: Weitere Details erst, wenn der Einzelfall bekannt ist.

Standortzusammenlegung

Des Weiteren sollen offensichtlich Standorte zusammengelegt oder geschlossen werden. Für die Mitarbeiter dieser Standorte würde dies im besten Fall einen Ortswechsel im schlimmsten Fall einen Arbeitsplatzverlust aufgrund einer Betriebsschließung bedeuten. Im Falle einer Betriebsschließung ist ein Sozialplan erzwingbar, d.h. Abfindungen wird es geben.

Personalabbau

Obwohl dem Betriebsrat noch keine weiteren Details zum Personalabbau bekannt gegeben wurden, ist damit zu rechnen, dass dieser – wie immer – ohne betriebsbedingte Kündigungen abgehen wird. Betriebsbedingte Kündigungen und die daraus resultierenden Kündigungsschutzklagen sind langwierig, für den Arbeitgeber unsicher und kostenintensiv. Darüber hinaus können die Kosten dann nicht im nächsten Geschäftsjahr abgeschrieben werden. Auch einen Verkauf von NSN, der von Nokia und Siemens nach Pressemeldungen zumindest überlegt wurde, würden anhängige Kündigungsschutzklagen erschweren.

Der Stellenabbau wird wohl primär über Auslagerungen und möglicherweise über die üblichen „sozialverträglichen Lösungen“ erfolgen. Letzteres wird davon abhängen, ob Siemens und Nokia dafür Gelder zur Verfügung stellen. Die bisher zur Verfügung gestellten Gelder sind ausschließlich für das operative Geschäft bestimmt.

Verkauf von NSN

Die geplante Umorganisation kann zweierlei Bedeuten. Nokia Siemens Networks hat noch eine Gnadenfrist bekommen, um sich zu sanieren. Diese wird sichtlich nicht über den Zeitpunkt (Frühjahr 2012) hinausgehen. Hier läuft für beide Unternehmen die Vertragsbindung aus. Nokia oder Siemens können dann unabhängig voneinander aus dem NSN-Geschäft aussteigen.

Da realistischer Weise nicht anzunehmen ist, dass NSN bei schrumpfender Wirtschaft und hohem Kostendruck im Netzwerkgeschäft  in den nächsten zwei Jahren eine sensationelle Umsatzsteigerung erzielen wird, ist es nicht abwegig anzunehmen, dass diese Umorganisation – zumindest auch – dazu dient, NSN für mögliche Käufer attraktiver zu machen. Weder Nokia noch Siemens werden sich dauerhaft mit dem Verlustbringer NSN auseinandersetzen wollen, zumal NSN Nokia in die roten Zahlen geführt hat.

Eines ist sicher …

Die Zukunft bleibt spannend. Die Unsicherheit für die Mitarbeiter bleibt bestehen. Man wird weiter wach bleiben müssen, um seinen Arbeitsplatz erhalten zu können. In Panik zu verfallen, ist sicherlich der falsche Weg. Panik macht blind, lässt Perspektiven nicht erkennen.

Der Betriebsrat wird die Hände nicht in den Schoß legen, sondern sich eine sinnvolle und strategische Vorgehensweise überlegen.

Auch auf der NCI-Homepage werden wir euch weiter begleiten, euch informieren und über eure Rechte aufklären. Wir werden alles dafür tun, dass eure Arbeitsplätze so gut wie möglich abgesichert werden. Wunder allerdings können auch wir nicht vollbringen. Und daher ist es wichtig: Macht eure Augen auf, verdrängt nicht, informiert euch, damit ihr optimal gerüstet seid, wenn eine Entscheidung auf euch zukommt. Wir können euch nur die Fakten an die Hand geben: Entscheiden müsst ihr selbst.