NSN: Wie ist die Situation insgesamt einzuschätzen?

19.11.2009 von Inken Wanzek

Nachdem wir in den vorangegangenen Artikeln das Prinzip der neuen NSN-Organisation und die Handlungsmöglichkeiten für NSN vorgestellt haben, wollen wir nun eine Einschätzung der Situation für die Mitarbeiter geben.

Um es noch mal kurz zusammenzufassen: Die Matrixorganisation des NSN ermöglicht es dem Unternehmen flexibel auf Marktänderungen zu reagieren. Dazu gehört auch Unternehmensteile zu kaufen oder zu verkaufen. Das heißt Outsourcing wird aller Voraussicht nach ein Thema für die NSN Mitarbeiter bleiben.

Des Weiteren ist es auch nicht unwahrscheinlich anzunehmen, dass Nokia und Siemens das gesamte Unternehmen Ende 2011/Anfang 2012 beispielsweise an einen Finanzinvestor verkaufen wollen. Durch die neue Organisation dürfte das Unternehmen für potenzielle Käufer interessanter sein, vor allem dann, wenn unrentable oder veraltete Unternehmensteile zuvor über Ausgliederungen abgestoßen werden. Der bereits angekündigte Stellenabbau deutet auf eine solche Verschlankung des Unternehmens hin.

Unabhängig davon, welchen Weg NSN letztendlich gehen wird, für die Mitarbeiter bedeutet dies: Die unruhigen Zeiten gehen weiter.

Versetzungen

Die aktuell anstehende Umorganisation selbst ist für die Mitarbeiter, soweit man das aus den zur Verfügung stehenden Informationen ersehen kann, zunächst nicht bedrohlich. Soweit bis jetzt zu erkennen ist, ist nicht geplant, Abteilungen zu bilden, in denen beispielsweise ältere Mitarbeiter oder Mitarbeiter ohne Arbeit zusammengefasst werden. Darauf wird auch der Betriebrat achten. Genau ansehen muss man sich die Organisation der Support und Central Functions. Zu klären ist, inwieweit werden hier Mitarbeiter unbillig verschoben, d.h. gibt es Mitarbeiter, die sich urplötzlich in einer ihnen artfremden Organisationseinheit wiederfinden und wenn ja, warum. Da es sich in allen Fällen um Versetzungen handelt, hat hier der Betriebsrat nach §99 BetrVG ein Widerspruchsrecht.

Mitarbeiter, die für sich eine unbillige Versetzung sehen, mögen sich bitte unverzüglich an den Betriebsrat wenden. Dazu hat der Betriebsrat Martinstraße ein Formular entwickelt, das den Mitarbeitern demnächst über die Betriebsratshomepage zur Verfügung gestellt wird. Wir bitten euch in diesen Fällen, das Formular auszufüllen und elektronisch an den APS (E-Mail auf dem Formular) zu schicken.

Mitarbeiter ohne Arbeit

Insbesondere ist darauf zu achten, was mit Mitarbeitern, die zurzeit keine Arbeit haben, passiert. Diese mögen sich bitte ebenfalls umgehend beim Betriebsrat melden (sofern sie dies noch nicht getan haben), denn so kann dieser leichter überprüfen, ob diese Mitarbeiter sinnvoll versetzt werden.

Folgen der Umorganisation

Die Folgen der Umorganisation können für einige Mitarbeiter jedoch problematischer werden, einerseits durch Outsourcing, andererseits durch den angekündigten Stellenabbau. Es ist derzeit nicht bekannt, ob dieser Stellenabbau über Outsourcing oder über sozialverträgliche Lösungen oder über beides vollzogen werden soll.

Bedenklich ist, dass der Arbeitgeber, die Umorganisation getrennt vom angekündigten Stellenabbau behandeln will und sich bzgl. der Art des Stellenabbaus bedeckt hält. Strategisch kann dies nur bedeuten, dass die Unternehmensführung versucht, die Mitbestimmung des Betriebsrats soweit wie möglich, durchaus legal, zu umgehen. Daher ist es für den Betriebsrat wichtig, die jetzige Umorganisation nicht getrennt von den Zielen der Siemens AG, Nokias und NSN selbst zu betrachten.