Telekomausrüster ZTE will Unternehmen zukaufen

23.11.2009 von Inken Wanzek

Nach einer Meldung von dpa-AFX sieht sich der chinesische Telekomausrüster ZTE nach Übernahmemöglichkeiten um. ‘“Wir können unser bisheriges Wachstumstempo nur aufrechterhalten, wenn wir Unternehmen zukaufen“, sagte der für das Tagesgeschäft zuständige Vorstand Tian Wenguo der Financial Times Deutschland (Montags-Ausgabe). Konkrete Ziele gebe es indes noch keine, führte er weiter aus.

Damit dürfte Nokia Siemens Networks in den Fokus von ZTE rücken, zumal Nokia und Siemens nachgesagt wird, dass sie sich aufgrund der hohen Verluste, die NSN seit Jahren einfährt, von ihrem Gemeinschaftsunternehmen trennen wollen. Weitere Übernahmekandidaten dürften Teile des bereit insolventen Netzwerkausrüsters Nortel und Motorola sein.

Motorola will sich laut US-Medien aufspalten und die Einzelteile verkauften. Das Unternehmen prüfe bereits erste Angebote. Zum Verkauf stehe zunächst die profitable Netzwerksparte, berichtete das Wall Street Journal und die New York Times übereinstimmen. Als Preis peile Motorola 3 Mrd. Euro an.

ZTE und sein heimischer Rivale Huawei setzen die etablierten Telekomausrüster weiter schwer unter Druck. Sie stellen selbst für Ericsson, den unbestrittenen Marktführer in der Telekommunikationsbranche, eine ernstzunehmende Konkurrenz dar.

Daher weichen Netzwerkausrüster wie NSN mehr und mehr in das Servicegeschäft aus, das höhere Margen verspricht. Doch die Chinesen wollen ihr Servicegeschäft ebenfalls ausbauen. So sagte Tian Wenguo, Vorstandsmitglied von ZTE: „Wir werden unseren Kunden künftig auch Dienstleistungen anbieten.“ Ein großer Teil der Arbeit soll dabei von China aus erledigt werden. „Wir können so immer noch erheblich preisgünstiger sein als unsere Konkurrenz“, so Wenguo weiter.

Damit dürfte die Option, mit der neuen Umorganisation NSN zu einem profitablen Unternehmen zu machen, noch ein Stück unwahrscheinlicher geworden zu sein, auch angesichts der Tatsache, dass NSN bereits ein zweites Mal daran gescheitert ist, Unternehmensteile zuzukaufen. Die Möglichkeit, dass NSN von einem chinesischen Konkurrenten aufgekauft wird, rückt in den Vordergrund. Wieweit Siemens angesichts des BenQ-Desasters einem solchen Verkauf ab- oder zugeneigt ist, sei dahin gestellt. Nokia dürfte jedoch sehr daran interessiert sein, das verlustreiche NSN-Geschäft abzustoßen. Sie werden kein zweites Mal zusehen, wie NSN Nokia in die roten Zahlen zieht. Wie dem auch sei, der Fakt bleibt: NSN ist heute angesichts der Verluste kein profitables Unternehmen und wäre ein geeigneter Übernahmenkandidat für ZTE.