Verschiebt sich der Telco-Markt weiter nach Asien?

23.11.2009 von Inken Wanzek

Wie bereits berichtet, möchte der sechstgrößte Telekomausrüster der Welt ZTE in wenigen Jahren unter den ersten drei der Branchenspitze mitmischen. Dazu plant er im ersten Schritt Übernahmen von Konkurrenten. „Eine Übernahmeofferte käme in München und Helsinki wohl gelegen“, kommentiert die Financial Times Deutschland eine mögliche Übernahme von NSN.

Laut dem US-Marktforschungsinstitut Dell’Ora haben Huawei und ZTE im zweiten Quartal dieses Jahres einen gemeinsamen Weltmarktanteil von rund 25 Prozent bei den Mobilfunkausrüstern erkämpft. Diese Marktanteile rangen sie vornehmlich den europäischen Telekommunikationsausrüstern Ericsson, NSN und Alcatel Lucent ab.

Die Zeiten, in denen die Chinesen nur für Schwellenländer erste Wahl sind, sind vorbei. So hat der in Asien und Europa agierende Telekommunikationsbetreiber Telenor letzten Donnerstag angekündigt, seine künftigen Netze im Heimatmarkt Norwegen gemeinsam mit Huawei aufbauen zu wollen. Auch die Deutsche Telekom arbeitet mit Huawei und ZTE eng zusammen. Die Deutsche Telekom zählt aber auch zu den Schlüsselkunden von Nokia Siemens Networks.

Die chinesische Strategie hat sich geändert. Die Chinesen setzen jetzt nicht mehr nur auf Wachstum aus eigener Kraft, sondern erstrecken ihre Geschäftspolitik auch auf Übernahmen und erweitern ihr Portfolie um Dienstleistungen, die eine höhere Rendite versprechen.

„Gelänge den Chinesen die Übernahme eines westlichen Rivalen, würden sich die Branchengewichte auf einen Schlag noch einmal dramatisch in Richtung Asien verschieben“, so die FTD. „Selbst der mit einem globalen Marktanteil von 32 Prozent unverwundbar erscheinende Branchenprimus Ericsson müsste dann damit rechnen, dass sich chinesische Unternehmen ähnliche Größenvorteile sicherten – bei erheblich günstigeren Kostenstrukturen“.

Jedem dürfte klar sein, dass schwächere Unternehmen wie NSN oder Alcatel-Lucent in diesem veränderten Markt noch geringere Überlebenschancen haben dürften als bisher, zumal die chinesischen Konkurrenten wesentlich wachstumsstärker sind. Der Unternehmensumsatz von ZTE legte laut eigenen Angaben in den ersten neun Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 41 Prozent zu. Hinzu kommt, dass ZTE Anfang des Jahres einen staatlichen Kredit über 25 Mrd. Dollar von chinesischen Banken erhalten. Der Kredit ist zweckgebunden und darf nur für Auslandsexpansionen verwendet werden. ZTE finanziert damit ihren Kunden ihre Netzkäufe vor. Der Kredit könnte aber auch für Übernahmen von Konkurrenten verwendet werden.

Wie Vorstandsmitglied Tian Wenguo ankündigte, wird ZTE seine Aktivitäten auch im Dienstleistungsgeschäft verstärken. Dazu soll auch der komplette Betrieb von Handynetzen gehören. Damit drängen die Chinesen weiter in die Domain der großen europäischen und nordamerikanischen Netzwerkhersteller vor. Ericsson und NSN erzielen inzwischen fast die Hälfte ihrer Umsätze mit dem ausgelagerten Betrieb kompletter Netze. ZTE sieht in der Notwendigkeit für dieses Dienstleistungsgeschäft auch teures Personal vor Ort zu beschäftigen, nicht als Hindernis. ZTE setzt auf Mischkalkulation. Man könne ein Großteil der anfallenden Arbeiten wie Entwicklung und Wartung netzspezifischer Software sowie das Monitoring auch von China aus leisten. NSN und Ericsson dagegen betonen immer wieder, dass damit der Kostenvorteil aus Fernost damit dahinschmelzen werde. ZTE sieht dies anders. “Wir können so immer noch erheblich preisgünstiger sein als unsere Konkurrenz”, kontert Tian Wenguo.