Eine Welt ohne Begeisterung

26.11.2009 von Inken Wanzek

Der Neurobiologe Gerald Hüther hat festgestellt, dass leistungssteigernde Mittel wie Enhancer, die Begeisterung im Menschen abtöten. „Also wenn ich jetzt diese kognitiven Enhancer nehme und ich gar keinen inneren Impuls mehr habe, dann fehlt mir auch die Begeisterung. Und wenn ich die Begeisterung nicht mehr habe, dann fehlt gewisser Maßen im Hirn der Treibstoff, der immer wieder dazu führt, dass wofür ich mich begeistere, auch ganz besonders starke Wirkung auf mich hat, einschließlich der Struktur des Gehirns. Und dort sehe ich die Riesengefahr, dass wir eine Welt werden, in der es keine Begeisterung mehr gibt, weil es in dieser Welt keine Gefühle mehr gibt, weil wir nur noch funktionieren wollen.“

Haben wir nicht manchmal den Eindruck, dass wir, gerade am Arbeitsplatz, in so einer Welt leben?

Viele Menschen wollen die Gefahren nicht erkennen. Zu verlockend ist die Pille als Lösung aller Probleme.  Sie sehen darin ein geeignetes Mittel, ihren Arbeitsstress zu bewältigen.  „Also, ich setz mich an den Schreibtisch und nehme eine halbe Tablette, denk mir, jetzt noch eine halbe Stunde bis die Wirkung eintritt, das Internet durchlesen und gefühlt 5 Minuten später habe ich dann auch schon, ohne es zu merken, mit der Arbeit angefangen und bin dann auch schon wieder halb fertig damit. Das ist so die schwierige Phase, wo man weiß, dass der Auftraggeber vor der Tür steht und den Text verlangt.“

Ja, manche gehen noch weiter uns sehen in leistungssteigernden Medikamenten, eine geeignete Möglichkeit, unterschiedliche Startvoraussetzungen auszugleichen: „Ich glaub, der Punkt ist, dass das Leben kein gerechtes ist. Die Menschen haben alle unterschiedliche Startvoraussetzungen. Es kommt nicht jeder aus einem Elternhaus, in dem man sich für Bildung interessiert. Es hat nicht jeder von Haus aus die gleichen Konzentrationsfähigkeiten und Ritalin kommt mir wie eine sehr demokratische Methode vor, weil da kann, zumindest in einer besseren Welt könnte jeder in die Apotheke gehen und für sehr wenig Geld ein Medikament kaufen, dass diese Unterschiede in den Startbedingungen ein klein bisschen ausgleichen würde.“

Doch so einfach ist das mit der gerechten Gesellschaft nicht, denn das Glück mit den Pillen ist nur von kurzer Dauer. Es kommt es zum inneren körperlichen Kollaps und das trifft jeden, der chronisch über seine individuelle Leistungsgrenze hinweggeht.

Zitate aus der Sendung „Doping für den Job“, ausgestrahlt bei ARTE am 17.11.2009.