Von Gummistiefeln über Handys zum Anbieter von Internet-Lösungen

29.11.2009 von Christine Rosenboom

Nokia hatte im dritten Quartal zum ersten Mal seit 1993 rote Zahlen geschrieben, weitere Abschreibungen in Höhe von 3-4 Mrd. Euro drohen im vierten Quartal (wie wir berichteten). In der Presse wird bereits spekuliert, dass dies zur Ablösung von Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo führen könnte.

Nun meldete sich der Chefstratege und Nummer zwei des Nokia-Konzerns, Anssi Vanjoki, zu Wort, der bereits als potenzieller Nachfolger von Konzernchef Olli-Pekka Kallasvuo gehandelt wird. Vanjoki sagt gegenüber der WirtschaftsWoche: „Wir müssen die Chance nutzen, Nokia völlig neu aufzustellen. Aus dem Hersteller von Mobiltelefonen wird ein Anbieter von Internet-Lösungen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass Nokia gestärkt aus dieser Transformation hervorgeht.“

Vanjoki räumte ein, dass Nokia hinter den Entwicklungen von Apple, Google und dem Blackberry-Hersteller RIM hinterher hinkt. „Wir waren auf die Angriffe nicht optimal vorbereitet, weil wir den dazu erforderlichen Umbau sicherlich zu langsam angegangen sind. Im Prinzip war uns auch vor zwei Jahren schon klar, dass der Umbau keinen Aufschub duldet. Doch erst die Wirtschaftskrise hat uns die Dringlichkeit vor Augen geführt. Heute arbeitet wirklich jeder bei Nokia an dieser Neuausrichtung, damit Nokia auch im Geschäft mit mobilen Lösungen und Applikationen ein starker Spieler wird.“

Diese Wandlung, so Vanjoki könne auch dazu führen, dass sich Nokia von der Herstellung von Mobiltelefonen trennt. „Man soll nie nie sagen. Doch heute sind unsere Fabriken und unser weltweites Logistiknetz ein wichtiger Wettbewerbsvorteil, den wir nicht aus der Hand geben sollten. Noch bauen wir alle Handys selbst und sind unter anderem deshalb so erfolgreich, weil wir es schaffen, 500 Millionen Geräte pro Jahr in jeden Winkel der Welt zu transportieren.“

Zu Spekulationen, dass Nokia beabsichtige, aus dem Joint Venture Nokia Siemens Networks auszusteigen, wollte Vanjoki sich zwar nicht äußern. Er macht aber klar, dass Nokia nicht auf die Tochter angewiesen ist. „Das Wissen, das wir durch Nokia Siemens Networks über Mobilfunknetze sammeln, ist hilfreich, aber nicht zwingend notwendig“, sagt er.

Quellen: Wirtschaftswoche, Handelsblatt