NSN CEO: Es ist verfrüht, unseren Nachruf zu schreiben

08.12.2009 von Inken Wanzek

Angesichts der jüngsten Entwicklung fragen sich nicht nur die Mitarbeiter, sondern offensichtlich auch Journalisten und Wettbewerber, wie es mit NSN weiter gehen wird. NSN CEO, Rajeev Suri, fühlte sich offenbar genötigt, diesen Überlegungen entgegenzutreten und wies mit scharfen Worten zurück, dass seine Firma sich in einer Abwärtsspirale befände, die sie nicht mehr durchbrechen könne. „Berichte über unseren Tod sind nicht nur vollkommen übertrieben, sie sind total falsch.“ Suri fügte dann hinzu: „Wir gewinnen dort, wo es für uns von Bedeutung ist.“

Suri glaubt, NSN habe das Kapital und nun auch eine Strategie, um Marktanteile neu dazu zu gewinnen und 2010 schneller zu wachsen als der Markt für Telekommunikationsinfrastruktur und Dienstleistungen. Angesichts der Geschäftszahlen und des hohen Verlusts, den NSN Nokia und Siemens beschert hat, wirken dies Worte wie aus Alice im Wunderland, in dem Träume wahr werden. Siemens und Nokia haben die Zukunftsaussichten von NSN jedenfalls als desolat eingeschätzt. Im Rückblick auf das Jahr 2009 teilt Suri diese Auffassung allerdings auch. Er sagte: „Unsere Umsatzerlöse waren 2009 nicht gut genug … Unser Umsatz fiel auf ein Niveau, das unakzeptabel ist … Es war ein hartes Jahr, aber wir haben keine Entschuldigung.“

Suris „hartes Jahr“ bezeichnen andere als katastrophal. Der Ertrag von NSN ging verglichen mit 2008 bedenklich zurück, während die Konkurrenten wie Huawei weiter wuchsen. Die Ursachen für dieses „harte“ Jahr bei NSN sind in der globalen Wirtschaftskrise, im Rückgang der Investitionen der Telekomunternehmen, aber auch in der konservativen NSN Strategie zu finden, die hauptsächlich auf Profit statt auf Marktanteile setze. Die Konsequenz – mal wieder: Umorganisation und Stellenabbau. Kosteneinsparungen, so Suri, machen es für NSN leichter zur Profitabilität zurückzukehren, ein Konzept, das keine innovative Neuausrichtung des Unternehmens erkennen lässt. Suri sagte, sogar moderates Wachstum im Umsatz werde NSN auf operativer Basis profitabel machen. Die Zahlen sprechen anderes. Dann schränkt Suri wieder mit den Worten „Wir sehen Stabilität. … Es ist jedoch zu früh, von einem Aufschwung zu sprechen“ und fügt hinzu: „Wachstum zu generieren ist unsere klare Priorität, und dazu haben wir mehr Flexibilität, als wir in 2008 hatten.“ Marktanteile zu gewinnen, habe Priorität vor Profitabilität und Cash. „Wir werden aber keine Geschäfte um jeden Preis machen“, betonte Suri. Suri setzt dabei auf den australischen, russischen und japanischen Markt.

Ob Siemens und Nokia Suris Optimismus teilen darf angesichts der Worte des Siemens Finanzchefs Joe Kaesers zu NSN bezweifelt werden, insbesondere da Siemens NSN mit 1,96 Milliarden Euro abschreiben musste und dadurch im vierten Quartal ihres Geschäftsjahrs in die roten Zahlen rutschte.