Was würde der Rückzug von Siemens und Nokia für NSN bedeuten?

08.12.2009 von Christine Rosenboom

Kauf- und Service-Verträge werden nur noch mit der NSN Oy abgeschlossen
Seit 2008 werden Kauf- bzw. Serviceverträge nicht mehr mit der NSN GmbH & Co. KG, sondern ausschließlich zwischen dem Kunden und der NSN Oy in Finnland abgeschlossen. Dies geht aus dem Jahresabschluss / Lagebericht für das Rumpfgeschäftsjahr 2006 (21. August bis 31. Dezember 2006) hervor. Dieser Jahresabschluss wurde am 03.06.2008 im Handelsregister veröffentlicht.

Die NSN Oy beauftragt dann die NSN GmbH & Co. KG, die Serviceleistung gegenüber dem Kunden zu erbringen oder ihm das Produkt zu liefern. Im Gegenzug erstattet die NSN Oy die entstandenen Kosten zuzüglich eines Ergebnisaufschlages in Höhe von 5 Prozent an die NSN GmbH & Co. KG.

Cash-Pooling-Verbund

Die Nokia Siemens Networks GmbH & Co. KG ist seit dem 20.4.2007 in den Cash-Pooling-Verbund der Nokia Siemens Networks Finance B.V., Amsterdam/ Niederlande, eingebunden, wie ebenfalls aus dem Jahresabschluss / Lagebericht für das Rumpfgeschäftsjahr 2006 hervorgeht.

Alle NSN-Unternehmen, die Teil des Cash-Pooling-Verbundes sind, zahlen ihren Gewinn auf das Cash-Pooling-Konto der NSN Finance B.V. ein. Durch das Zusammenziehen dieser Finanzmittel kann die NSN Finance B.V. durch die größere Anlagesumme höhere Zinsen bei den Banken aushandeln, als die Einzelunternehmen für ihre Gewinne bekommen würden. Darüber hinaus können die Konzernunternehmen einfach und günstig Kredite bei der NSN Finance B.V. aufnehmen.

Das Cash-Pooling ist bei einem gesunden Konzern sicher eine gute Methode, aber das System kommt ins trudeln, wenn mehr aus dem Cash-Pooling-Konto abfließt, als die einzelnen Unternehmen einzahlen. Bisher haben Siemens und Nokia bei Bedarf in dieses Konto nachgeschossen. Anfang November war dies zum letzten Mal der Fall. Dieser Zuschuss ist rein für das operative Geschäft bestimmt. Siemens und Nokia sind jedoch nicht dazu verpflichtet, da NSN eine B.V., also eine GmbH nach holländischem Recht, ist. Siemens und Nokia haften lediglich mit ihren Einlagen, also dem Stammkapital.

Unter dem Punkt „künftige Entwicklung“ gibt die NSN GmbH & Co. KG im oben genannten Geschäftsbericht an: „Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass die Gesellschaft [Anm. die NSN GmbH & Co. KG] positive Ergebnisbeiträge nur erzielen kann, wenn zukünftige Kapitalmaßnahmen erfolgen bzw. Kostenfreistellungserklärungen erteilt werden, um den Fortbestand der Gesellschaft sicherzustellen. Sollten diese Kapitalmaßnahmen nicht durchgeführt werden und Kostenfreistellungserklärungen nicht erteilt werden, erscheint der Fortbestand der Unternehmung gefährdet, wenn die geplante Umstellung des Geschäftsmodells nicht zeitnah zu ausreichenden positiven Ergebnisbeiträgen führt und die erwarteten Kosteneinsparpotentiale aus den Restrukturierungsmaßnahmen nicht ausreichend sind bzw. sich verzögern. Um die Liquidität der Gesellschaft sicherzustellen ist es erforderlich, dass der Finanzverbund mit der Nokia Siemens Networks Finance BV, Amsterdem/Niederlande, auch zukünftig bestehen bleibt.

Übertragung der Vermögenswerte an die NSN Vermögensverwaltung GmbH & Co. KG

Im Jahr 2007 übertrug die NSN GmbH & Co. KG darüber hinaus ihre Vermögenswerte an die NSN Vermögensverwaltung GmbH & Co. KG. Dieses Unternehmen wurde einige Monate später wieder aus dem Handelsregister gelöscht. Der persönlich haftende Gesellschafter dieser GmbH & Co. KG, die NSN Vermögensverwaltung GmbH, besteht weiter. Es ist anzunehmen, dass die Vermögenswerte sich nun in dieser GmbH befinden.

Daher bestehen in der GmbH & Co. KG keine nennenswerten Rücklagen, um immer mehr frei werdende Mitarbeiter finanzieren zu können. Es gäbe also nur zwei Möglichkeiten: In der NSN GmbH & Co. KG müssten durch Innovationen neue Produkte und Serviceleistungen entwickelt werden, oder immer mehr Mitarbeiter der NSN GmbH & Co. KG müssten abgebaut werden. Die NSN Finance B.V. muss dabei die entstehenden Verluste bei der NSN GmbH & Co. KG ausgleichen.

Wenn Siemens und Nokia sich zurückziehen sollten, stellt sich die Frage, ob die Konzernunternehmen in der Lage sind, selbständig so viel Gewinn zu erwirtschaften, dass das Cash-Pooling-Konto gedeckt bleibt. Bei den hohen Verlusten von NSN bedürfte es dazu großer Anstrengung.

NSN-Umorg-Analyse-1-2010Grafik: Geschäftsmodell – Zahlungsflüsse