Löscher bekundet kein Interesse an NSN

21.12.2009 von Inken Wanzek

Der Siemens Vorstandsvorsitzende Peter Löscher gab letzte Woche der Wirtschaftswoche ein ausführliches Interview über die Lage auf dem Weltmarkt und über die Situation bei Siemens.

Angesprochen auf die Lage bei den Telekommunikationsnetzen betonte Löscher: „Es gilt der Grundsatz: Man muss bei den Innovationen führend sein. Und in der Telekommunikationstechnik haben wir in der Vergangenheit die Technologieführerschaft verloren und Wettbewerber unterschätzt. Das alles hat dazu geführt, dass wir heute im Prinzip nur noch finanziell an NSN beteiligt sind – die operative Führung im Joint Venture hat Nokia.“

Damit machte Löscher nochmals deutlich, dass er für NSN keine Zukunft mit Siemens sieht. Offensichtlich wartet Siemens nur noch den Auslauf des Joint Venture Vertrags ab, um sich spätestens dann aus NSN zurückzuziehen.

Auf die Frage, wie die Welt nach der Wirtschaftskrise aussehen werde, sagte Löscher: „Die Kräfteverhältnisse werden sich verschieben. Die Schwellenländer wachsen nach der Krise deutlich stärker als vorher, und sie gewinnen zudem politisch enorm an Einfluss. Wirtschaftsforscher gehen davon aus, dass in den nächsten fünf Jahren etwa die Hälfte des Wachstums aus den Schwellenländern kommen wird.“ Ebenso werde sich die Nachfrage nach China, Indien, Brasilien und Russland, in die Länder des Nahen und Mittleren Ostens, aber auch in kleinere Schwellenländern verschieben.

Die Lage sei aber weiterhin fragil, sagte Löscher mit Blick auf die Krise in Dubai. Die Weltwirtschaft, genauer gesagt die Industrieproduktion, werde sich wesentlich langsamer erholen als viele glauben. Für Länder wie Deutschland, die über eine starke industrielle Basis verfügen, stünden die Chancen deutlich besser als für Länder, die stark auf den Dienstleistungssektor gesetzt haben.