NSN und die Nortel GSM – Auktion

01.01.2010 von Christine Rosenboom

Viel Aufsehen erregt hat die von NSN verlorene Auktion um die Optik-Sparte des insolventen Netzausrüsters Nortel, bei dem NSN zusammen mit dem Finanzinvestor One Equity Partners geboten hatte. Völlig untergegangen, aber nicht uninteressant, ist hingegen die Beteiligung von NSN an der Auktion um die GSM-Sparte von Nortel.

Aus dem von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young im Internet hinterlegten Protokoll über die Auktion geht hervor, dass am 16.11.2009, vor Ablauf der Gebotsfrist drei einzelne Bieter, unter diesen NSN und Huawei, ein Gebot abgegeben hatten. Ericsson und Kapsch gaben ein gemeinsames Gebot ab.

Gemäß dem Ausschreibungsverfahren hinterlegten NSN und Huawei sogenannte „Good Faith Deposits“ (= Zahlung an den Verkäufer, um die Ernsthaftigkeit des Angebots zu signalisieren) in Höhe von je 10 Mio. Dollar, zweckgebunden für die Auktion bei der Citibank N.A. Ericsson und Kapsch hinterlegten jeweils 5 Mio. Dollar.

Am 17.11.2009 wurden die Bieter darüber informiert, dass die eigentliche Auktion am 23.11.2009 stattfinden würde. In anschließenden Verhandlungen mit den Verkäufern wurden die Konditionen einiger Gebote von den Bietern verbessert.

Am 20.11.2009 stellte NSN den Antrag, mit Huawei Gespräche zur Vorbereitung eines gemeinsamen Angebots führen zu können. Die Zustimmung dazu wurde NSN und Huawei am Morgen des 21.11.2009 von den Verkäufern erteilt. Der dritte Einzelbieter zog sich an diesem Tag aus der Auktion zurück.

Am 23.11.2009 wurden die Bieter informiert, dass das Gebot von Ericsson und Kapsch, in Höhe von 81,5 Mio. Dollar als Startgebot für die Auktion gewählt sei, die nun am 24.11.2009, um 8:00 Uhr beginnen würde. Gleichzeitig wurden NSN und Huawei Kopien des Gebotes von Ericsson und Kapsch zugestellt. Daraufhin unterrichtete NSN die Verkäufer, dass NSN als Einzelbieter nicht an der Auktion teilnehmen werde. Vor Beginn der Auktion am 23.11.2009 reichten Huawei und NSN schließlich ein schriftliches Ersuchen bei den Verkäufern ein, die Auktion auf den 30.11.2009 zu vertagen, damit Huawei und NSN zusätzliche Zeit erhielten, um ein gemeinsames Gebot zu strukturieren und zu verhandeln. Dieses Ersuchen wurde von den Verkäufern abgelehnt. NSN zog sich daraufhin aus der Auktion zurück.

Interessant ist weniger, dass NSN auch diese Auktion verloren hat, sondern vielmehr, dass hier Verhandlungen mit dem Erzrivalen Huawei über eine zukünftige Zusammenarbeit bei GSM stattgefunden haben. Man kann davon ausgehen, dass die NSN-Sparte GSM Radio Access zusammen mit der GSM-Sparte von Nortel in ein Joint Venture zwischen NSN und Huawei eingebracht worden wäre, wenn dieser Deal geklappt hätte.

Hier ist eine Hemmschwelle gefallen, die zu denken gibt. Huawei wird massiv von der chinesischen Regierung gefördert, heißt es. Zuletzt erhielten Huawei und ZTE je einen staatlichen Kredit über jeweils 25 Mrd. Dollar von chinesischen Banken, zweckgebunden für Auslandsexpansionen.

Firmengründer und CEO von Huawei, Ren Zhengfei – ein ehemaliger Offizier der Volksbefreiungsarmee und aktives Mitglied der Kommunistischen Partei Chinas – werden engste Kontakte zur Pekinger Regierung nachgesagt, wie Spiegel-online berichtete. Als Sicherheitsrisiko gilt das Unternehmen nicht nur in den USA und Indien. Huawei soll schon Aufträge verloren haben, weil ausländische Regierungen den ungehinderten Zugriff des chinesischen Geheimdienstes auf die Huawei-Netze fürchteten. Solche Sicherheitsbedenken wurden im Fall der Nortel GSM-Auktion von NSN offensichtlich nicht gehegt.

Siemens und Nokia sitzen im NSN-Aufsichtsrat und hätten dieser Zusammenarbeit mit Huawei zustimmen müssen. Unwillkürlich fragt man sich, ob auch Siemens und Nokia keine Sicherheitsbedenken gegenüber einer solchen Zusammenarbeit mit staatlich geförderten chinesischen Netzausrüstern wie Huawei hätten. Ziehen sie einen Verkauf des Joint Ventures NSN, beispielsweise an ZTE, in Betracht?