Analyse: Ausgangslage möglicher Zukunftsszenarien für NSN

06.01.2010 von Christine Rosenboom

Aufgrund der desolaten Situation von NSN als Konzern und der NSN GmbH & Co. KG als Unternehmen in diesem Konzern rechnen wir damit, dass Siemens und Nokia im Jahr 2010 Gegenmaßnahmen ergreifen werden. Betrachtet man die Grafik in unserem Artikel „NSN – Gravierende Änderung des Geschäftsmodells“, erkennt man sofort, dass die Lage für die NSN GmbH & Co. KG ernst ist, wenn der Verlustausgleich aus dem Cash-Pooling-Konto durch die NSN Finance B.V. eingestellt werden sollte. Wir erwarten gerade hier in Deutschland gravierende Einschnitte für die Mitarbeiter, da die Personalkosten bei NSN in Deutschland die höchsten weltweit sind – selbst im Hochlohnland Finnland werden nur 64 Prozent des deutschen Verrechnungssatzes angesetzt.

Wir haben analysiert, welche Maßnahmen Siemens und Nokia ergreifen könnten, was das für die Mitarbeiter bedeutet und welche Wege wir gehen können.

Ausgangslage

Das Unternehmen NSN GmbH & Co. KG dürfte der größte Kostenfaktor im NSN Konzern sein. Die Ex-Com Produkte wurden zugunsten der Nokia-Produkte weitgehend eingestellt, die ehemaligen Siemens-Kunden wurden auf Nokia Produkte umgestellt und neue Verträge werden nur noch zwischen den Kunden und der finnischen NSN Oy abgeschlossen. Für die Finanzierung der NSN GmbH & Co. KG steht daher immer weniger Gewinn aus dem operativen Geschäft zur Verfügung. Das Management rechnete bereits für das Jahr 2007 damit, dass die NSN GmbH & Co. KG einen Verlust in Höhe von etwa 2,7 Mrd. Euro schreiben würde, wie aus dem Lagebericht für das Rumpfgeschäftsjahr 2006 hervorgeht.

Die Erklärung von Siemens und Nokia an die Kunden, sie seien in der Lage, NSN weiter finanziell zu unterstützen, bezieht sich auf NSN als Konzern, nicht auf das Unternehmen NSN GmbH & Co. KG. Diese Erklärung bedeutet daher lediglich, dass die beiden Mütter das Cash-Pooling-Konto wieder auffüllen können, wie sie es bisher getan haben, aber nicht, dass der Verlustausgleich der NSN GmbH & Co. KG aus diesem Konto weiterhin sichergestellt wird. Darüber hinaus beachte man die Formulierung: „… sind in der Lage …“ bedeutet lediglich, sie können, wenn sie wollen, aber nicht, dass sie das unbegrenzt zu tun gedenken.

Die Gelder, die Siemens und Nokia zuletzt für den NSN Konzern in das Cash-Pooling-Konto eingezahlt haben, sind gebunden für das operative Geschäft. Das bedeutet, dass es beispielsweise nicht für Sozialplanabfindungen verwendet werden darf. Die NSN GmbH & Co. KG dürfte folglich derzeit keine ausreichenden Mittel haben, um weitere Sozialpläne zu finanzieren.

Siemens und Nokia könnten versuchen, den Konzern NSN ohne Sozialplan in eine günstigere Kostenposition zu bringen. Dies könnte man damit erreichen, dass der größte Kostenfaktor reduziert wird, der für NSN keine entscheidende strategische Rolle mehr spielt.