Analyse: Übersicht über die Szenarien

09.01.2010 von Inken Wanzek / Christine Rosenboom

Die negative Entwicklung des Operating Profits seit Beginn des Joint Ventures Nokia Siemens Networks zeigt deutlich, dass sowohl Siemens als auch Nokia sich die Frage stellen, wie kommt NSN möglichst schnell aus den tiefroten Zahlen wieder heraus, oder wie schafft man den baldmöglichsten Ausstieg aus NSN? Peter Löscher: „… Das alles hat dazu geführt, dass wir heute im Prinzip nur noch finanziell an NSN beteiligt sind…“

Daher haben wir uns in das Nokia und Siemens-Management hineinversetzt und aus deren Sichtweise diese Frage betrachtet. Nur so kann man herausfinden, was auf die Belegschaft zukommen könnte. Dazu muss man sich auch vom lokalen Denken „mein Betrieb, mein Projekt“ lösen, denn Nokia und Siemens entscheiden global. Wenn man diese Haltung einnimmt, erkennt man sofort, dass Entscheidungen nur aufgrund finanzieller Überlegungen fallen mit dem Ziel, die Nokia- und Siemens-Bilanz so wenig wie möglich zu belasten.

Wir haben folgende Szenarien identifiziert, die wir hier zunächst überblicksmäßig vorstellen möchten. In den kommenden Tagen werden wir detaillierter auf diese Szenarien eingehen. Dabei muss man die Aussage von Joe Kaeser, NSN werde die Siemens-Bilanz nur noch zwei Jahre (also bis 30.9.2011) belasten, zugrunde legen. Des Weiteren ist die NSN GmbH & Co. KG in Deutschland wie im Artikel „Analyse: Ausgangslage möglicher Zukunftsszenarien für NSN“ dargestellt, wohl der größte Kostenfaktor im NSN Konzern.

Grafik vergrößern: Überblick Szenarien

Szenario 1: Kurzarbeit – Abspaltung bzw. Outsourcing – Betriebsschließung Mch M, evtl. auch anderer Standorte

Durch Kurzarbeit kann man sehr schnell eine Reduzierung der Personalkosten in Deutschland erreichen. Kurzarbeit saniert den NSN-Konzern aber nicht. Die Mitarbeiter müssen sich daher auf weitere Maßnahmen einstellen.

Wie können also Nokia und Siemens bzw. NSN als Konzern schnell und endgültig, d.h. ohne Kündigung mit Sozialauswahl und ohne besonderen Kündigungsschutz, wie z.B. tariflichen Kündigungsschutz, die Personalkosten reduzieren? Ein Mittel dazu sind Betriebsschließungen. Deshalb haben wir dieses Szenario in Betracht gezogen.

Vor eventuellen Betriebsschließungen könnte man aus den Betrieben der NSN GmbH & Co. KG noch brauchbare Teile z.B. nach Düsseldorf, dem Sitz von Ex-Nokia Net, oder zu anderen Standorten verlagern oder zu Partnern ausgliedern.

Szenario 2: Verkauf an Huawei oder ZTE vor bzw. während des Ablaufs von Szenario 1

Siemens und Nokia können die Beteiligung an NSN komplett verkaufen, beispielsweise an einen chinesischen Wettbewerber wie Huawei oder ZTE, die das notwendige Kapital haben und die an einem Eintritt in den europäischen Markt interessiert sind.

Szenario 3: Kurzarbeit – Abspaltung bzw. Outsourcing – Insolvenz der NSN GmbH & Co. KG

Wenn der Verlustausgleich für die NSN GmbH & Co. KG aus dem Cash-Pooling-Konto der NSN Finance B.V. gestoppt werden würde, ginge die NSN GmbH & Co. KG unweigerlich in die Insolvenz. Um Kunden nicht zu verlieren, müsste jedoch sichergestellt werden, dass vorher die aktuellen Projekte an Mitarbeiter in anderen Konzernunternehmen übergeben werden. Noch brauchbare Teile könnte man vorher ausgliedern. Eine Insolvenz hätte aber für Siemens und NSN erhebliche Nachteile, auf die wir später noch eingehen werden.

Szenario 4: Kurzarbeit – Stellenabbau – Fortführung

Nach der Kurzarbeit, mit der schnell die Personalkosten reduziert werden können, könnte ein Stellenabbau erfolgen. Um den ungewissen Ausgang von Kündigungsschutzklagen zu vermeiden, müsste die NSN GmbH & Co. KG jedoch Mittel für Sozialplanabfindungen zur Verfügung stellen. Dies wäre nur dann wahrscheinlich, wenn Siemens sich dazu bereit erklärt, diese Mittel zuzuschießen. Dieses Szenario werden wir zuletzt betrachten.

Disclaimer für zukunftsgerichtete Aussagen: Dieser Artikel enthält in die Zukunft gerichtete Aussagen und Informationen – also Aussagen über Vorgänge, die in der Zukunft, nicht in der Vergangenheit, liegen. Diese zukunftsgerichteten Aussagen sind erkennbar durch Verwendung des Konjunktivs oder einschränkende Formulierungen wie „möglich“, „beispielsweise“ oder ähnliche Begriffe. Solche vorausschauenden Aussagen beruhen auf den heutigen Einschätzungen der Redaktion, auf bekannten Fakten und bestimmten Annahmen. Sie bergen daher eine Reihe von Risiken und Ungewissheiten. Eine Vielzahl von Faktoren, von denen zahlreiche außerhalb des Einflussbereichs der Redaktion liegen, beeinflusst die tatsächlichen Abläufe und Szenarien. Diese Faktoren können dazu führen, dass die prognostizierten Ergebnisse unserer Analyse wesentlich von später tatsächlich eintretenden Ereignissen abweichen können.