Ein paar Worte … Persönliche Werte

10.01.2010 von Inken Wanzek

Seit Wochen verstärkt sich das Gefühl, dass mit Nokia Siemens Networks etwas geschehen wird. Und seitdem arbeiten wir verstärkt daran, herauszufinden, was passieren wird. Es wird auf allen Seiten geschwiegen. Und dieses Schweigen ist angesichts der desolaten geschäftlichen Lage von NSN und der damit verbundenen unsicheren Zukunft für die Mitarbeiter nicht angebracht. Glaubt man im Ernst, mit Schweigen beruhigen zu können? Das Gefühl, liebe Kolleginnen und Kollegen, lässt sich vielleicht verdrängen, aber beruhigen lässt es sich nicht. Die Diskrepanz zwischen dem Schweigen der Verantwortlichen und dem Gefühl erzeugt eine phlegmatische Stimmung, unter der hie und da Aggression schwelt. Wie, so fragen sich viele still, sieht meine Zukunft aus? Die Angst vor Hartz IV ist groß, auch wenn sie kaum ausgesprochen wird.

Warum empfinden wir Arbeitslosigkeit und Hartz IV als schrecklich? Drei Gründe dürften es im Wesentlichen sein:

  1. Der Konsum, das Gefühl sich das leisten zu können, was man möchte, bricht mit Arbeitslosigkeit und Hartz IV weg und zwar drastisch. Man hat Angst, alles zu verlieren, was man sich aufgebaut hat.
  2. Man hat das Gefühl, dem System Hartz IV, der Agentur für Arbeit, ausgeliefert zu sein, nicht mehr frei entscheiden zu können, was man tun und lassen möchte. Man weiß heute nicht, was der morgige Tag bringt, könnte doch jeden Augenblick ein Jobangebot fern von der Heimatstadt eintreffen, ein Job, den man innerlich nicht annehmen will, weil er das bisherige Leben zerreißt. Unsicherheit und Ungewissheit sind bestimmende Faktoren in Hartz IV, die an einem nagen.
  3. Gleichzeitig ist jeder Tag gleich, unerfüllt, denn das „ich muss“ aus dem Job drängt nicht mehr. Man läuft Gefahr träge und unfähig zu werden, das Selbstbewusstsein wird im täglichen Einerlei aufgezehrt.

Man kann nun verharren, hoffen, dass dies nie eintreten wird, ausschließen aber kann es kaum jemand sicher. Die äußeren Umstände kann man, wenn sie eintreten, selten ändern, die inneren dagegen schon. Darum, liebe Kolleginnen und Kollegen, es gibt nur eine verlässliche Zukunft, und das ist die Zukunft, die ihr eurem eigenen Leben gebt. Gerade jetzt, gerade in der Krise, ist es notwendig zu fragen, was ist wichtig für mich, was macht meine Persönlichkeit aus, wodurch identifiziere ich mich? Was sind meine ganz persönlichen Werte? Ist es nur der Job, die Karriere, das Geld, das Gefühl, mir etwas leisten zu können oder gibt es noch andere Dinge, die eine zentrale Bedeutung für mich haben? Schnell wird gesagt, Familie und Freunde. Doch wie fest sind diese Beziehungen wirklich, wenn der Job wegfällt, wenn der Konsum nicht mehr im gleichen Maße möglich wird? Es hilft, darüber zu reden. Welchen neuen Lebensmittelpunkt kann man sich vorstellen, wenn es die Arbeit nicht mehr sein kann?

Ihr fragt euch vielleicht, warum wir jetzt darüber schreiben? Ganz einfach, weil wir euch in der gegenwärtigen Situation nicht mehr versprechen können, wenn ihr dieses und jenes macht, ist die Chance hoch, seinen Arbeitsplatz zu sichern. Wir können euch zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur sagen, wir werden euch, wie immer, die Möglichkeiten aufzeigen, doch es kann durchaus sein, dass die Chancen, die diese Möglichkeiten für den Arbeitsplatzerhalt in sich tragen, geringer sind als früher. Daher ist es wichtig, sich jetzt Gedanken für den Fall „Was wäre wenn …“ zu machen.

Man hört dann, das will ich nicht, nicht jetzt, es genügt, sich dann Gedanken zu machen, wenn es soweit ist. Doch dies, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist ein Irrtum. Änderungen in den eigenen Einstellungen brauchen Zeit und Kraft. Ist Arbeitslosigkeit erst einmal eingetreten, ist diese Zeit nicht mehr da, man ist gezwungen zu reagieren. Man befindet man sich dann im Sog der Arbeitslosigkeit, die einen in ihrer Leere ertrinken lässt. Es fehlt die Kraft, die vorhandene Zeit zu nutzen. Darum ist die Zeit, sich Gedanken zu machen, jetzt.

Man stelle sich vor, so bildlich wie möglich, wie ein sinnvoller Tagesablauf aussehen könnte. Dem ein oder anderen kommt wahrscheinlich der Gedanke, ausschlafen zu können, machen zu können, was man will. Doch was will man? Woher kommt das Geld dazu? Kann man anderes machen, was nur wenig Geld benötigt? Machen, was man will. Wie eintönig wird dies bald, wenn kein Ziel damit verbunden ist.

Was könnte ein Ziel sein? Eine ehrenamtliche Tätigkeit, die einen erfüllt und die einem Sinn gibt. Möglichkeiten dazu gibt es genug. Ziele empfindet der Mensch gemeinhin als sinnvoll, wenn er etwas für andere tut. Das Basteln im Keller erfährt mehr Sinn, wenn ein anderer die hergestellten Dinge benötigen kann oder wenigstens bewundert. Daher ist es nicht falsch, seine Ziele mit anderen Menschen zusammen zu verfolgen. Dann empfindet man das Leben lebenswert.

Ein anderer Punkt ist die Neugier auf das Leben. Aber darüber sprechen wir ein anderes Mal.