Wie Nortel insolvent wurde

16.01.2010 von Inken Wanzek

Nortel, Kanadas größer Netzwerkanbieter, ging genau vor zwölf Monaten in Insolvenz. 30.000 Nortel Mitarbeiter wussten nicht, wie es für sie weitergehen würde. Ihre Hoffnung: Verkauf an ein stabiles Unternehmen, das nicht nur die Nortel-Marktanteile, sondern auch sie als Mitarbeiter brauchen würde.

Dabei stand Nortel auf dem Markt gar nicht so schlecht da. Immerhin war Nortel bei VoIP Marktführer in Nordamerika und verkaufte dort mehr Softswitches für IP-Telefone als alle Konkurrenten zusammen. Darüber hinaus war Nortel im Mobilfunkmarkt der größte Carrier-Ausrüster der USA.

Vor der Insolvenz verneinten die Nortel-Manager jegliches Interesse am Verkauf des Konzerns. Eine Zerschlagung des Konzerns stehe nicht zur Debatte. Die Finanzkrise und die sich dadurch deutlich verschlechternde Kreditsituation der Carrier- und TK-Ausrüster führte zusammen mit der Verschuldungshöhe des Unternehmens schließlich dazu, dass profitable Geschäftseinheiten verkauft werden mussten. Dann folgte der Insolvenzantrag nach Chapter 11 des amerikanischen Insolvenzrechtes.

Mike Zafirovski, CEO von Nortel und vormals Chef von Motorola, hatte anfangs erklärt, die Insolvenz ermögliche Nortel einen Neuanfang, aber als sich Zafirovski mit rund zwölf Millionen Dollar Abfindung aus dem Staub machte, war klar, dass Nortel unwiederbringlich abgewickelt werden musste und sämtliche Millionen aus den Verkaufserlösen an die Gläubiger gehen würden.

Zum Zeitpunkt der Insolvenz hatte Nortel mehr als zwei Milliarden Dollar Schulden angehäuft.

Die Konkurrenz hat Nortel nun unter sich aufgeteilt:

  • Im Juli 2009 ging die Mobilfunksparte (CDMA und dessen Nachfolger LTE) für 1,13 Mio. Dollar an den schwedischen TK-Ausrüster Ericsson. 2.500 Mitarbeitern wechselten damit zu Ericsson. Ericsson verspricht sich davon den Einstieg und Durchbruch im lukrativen US-Geschäft im Carrier-Bereich.
  • Im September 2009 kaufte der VoIP-Spezialist Avaya für rund 900 Mio. US-Dollar das Enterprise-Telefoniegeschäft mit rund 6.000 Mitarbeitern.
  • Das restliche LTE-Geschäft ging für 10 Mio. Dollar an das japanische Unternehmen Hitachi.
  • Rund 282 Mio. US-Dollar bot der amerikanischen IP-Spezialist Genband für CVAS (Carrier VoIP and Application Solution) mit 2.200 Mitarbeitern. Die Auktion findet voraussichtlich im Februar statt.
  • Ericsson und Kapsch sicherten sich das GSM-Geschäft mit 630 Mitarbeitern für rund 103 Mio. Dollar.
  • Der amerikanische Carrier-Ausrüster Ciena erwarb Ende Dezember das MEN-Geschäft (Metro Ethernet Networks) und die optischen Netze für rund 769 Mio. Dollar.

Nokia Siemens Networks (NSN) hatte mehrfach mitgeboten und ging leer aus. „… dass NSN im Fall MEN nicht einmal die Hilfe eines Finanzinvestors half, muss man als garantiert schlechte Pointe für das Joint Venture werten, zeigt es doch zumindest ungefähr an, wie wenig die Joint Venture-Partner Nokia und Siemens bereit sind, in ihr Unternehmen zu investieren“, schrieb das Internet Portal »ChannelPartner« am 16.Januar 2010.