NSN: Ungeliebte Tochter

18.01.2010 von Inken Wanzek

Anfang Januar machte sich das Magazin „Capital“ Gedanken über das Joint Venture Nokia Siemens Networks:

Kehren im Scherbenhaufen Nokia und Siemens bekommen ihr Joint Venture nicht in den Griff.

Ungeliebte Tochter Zwei große Namen, ein großes Desaster: Seit Nokia und Siemens 2007 ihr Netzwerkgeschäft zusammenlegten, hat Nokia Siemens Networks (NSN) nie wirklich Tritt gefasst. Billiganbieter aus Asien drücken die Preise schneller, als NSN seine Kosten senken kann. Das Unternehmen, das die Infrastruktur für Mobilfunkbetreiber aufbaut, schreibt rote Zahlen.

Vergebliche Verkaufsversuche Der Mann, der die Scherben zusammenkehren soll, heißt Rajeev Suri. Anfang Oktober übernahm der Nokia-Manager die Führung bei NSN – und damit einen der undankbarsten Jobs in der Branche. Das Hauptproblem: Suri kann sich nicht auf seine Eigentümer verlassen. Dass Siemens seinen 50-Prozent-Anteil lieber heute als morgen verkaufen würde, gilt als ausgemacht. ‚Deren Renditeerwartungen lassen sich im Netzwerkmarkt nicht mehr erzielen’, sagt ein NSN-Manager. Auch Nokia hat nach Capital-Informationen bei potenziellen Käufern vorgefühlt. Doch keiner schlug zu. Sowohl Nokia als auch Siemens haben derweil eine Bestandsgarantie für NSN abgegeben. Wie lange die gilt, weiß keiner.

Anmerkung der NCI-Redaktion: Ob sich bezüglich des Käufers inzwischen etwas Neues ergeben hat, werden wir wohl auf der Siemens-Hauptversammlung am 26. Januar erfahren.

Wachsender Kostendruck Viel Zeit hat NSN nicht. Tausende von Stellen wurden seit der Fusion bereits weggespart, Suri will die Ausgaben nochmals um eine Milliarde Euro im Jahr drücken. Etliche der verbliebenen 64.000 Arbeitsplätze dürfte das noch kosten. Während chinesische Konkurrenten wie Huawei und ZTE mit Kampfpreisen, aber auch mit innovativer Technik immer tiefer in die NSN-Stammmärkte vordringen, versucht Suri, den Spieß umzudrehen – und Entwickler in Indien und China anzuheuern. NSN-Betriebsratschef Georg Nassauer hält die Misere zumindest zum Teil aber auch für hausgemacht. Zu lange habe der Konzern zu wenig investiert, wichtige Aufträge verloren. ‚Das war krasses Missmanagement.’ “