Keine Erholung des Telekommunikationsmarkts

25.01.2010 von Inken Wanzek

Der Gewinn des Branchenführers Ericsson brach im Vergleich zum Vorjahr von 4,1 Mrd. SEK (402 Mio. Euro) auf 700 Mio. SEK (69 Mio. Euro) ein. Der Umsatz bei Ericsson ging im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent zurück.

Dieser dramatische Gewinneinbruch beim Branchenführer Ericsson zeigt, dass der Telekommunikationsmarkt nach wie vor sehr schwierig und hart umkämpft ist. Die Märkte in China, Indien und den USA verzeichneten allerdings weiter robuste Zuwachsraten.

Ursache für die schwierige Marktlage ist die geringe Investitionsbereitschaft der Kunden in der Wirtschaftkrise. Das Infrastrukturgeschäft habe vor allem in der zweiten Jahreshälfte gelitten, sagte Hans Vestberg, Konzernchef von Ericsson, bei der Vorlage der Bilanz am heutigen Montag in Stockholm. Der Marktanteil sei aber in allen Bereichen gehalten worden und Ericsson stehe finanziell gut dar, so Vestberg weiter. Allerdings fiel die Nachfrage regional sehr unterschiedlich aus: Während die Netzwerk-Betreiber in einigen Schwellenländern zunehmend vorsichtiger agierten, liefen die Geschäfte in China, Indien und den USA weiterhin gut, erklärte das Unternehmen.

Eine Prognose für 2010 wagte Vestberg jedoch nicht.

“Die Zahlen zeigen, wie schwierig 2009 für die Netzwerkausrüster war”, sagte Analyst Paolo Pescatore von CSS Insight. Dennoch bleibe Ericsson eines der wenigen Unternehmen, die aufgrund ihrer Größe und Ausgangsposition am Markt überleben dürften. Ericsson hatte bereits vor dem Abschwung mit Kosteneinsparungen begonnen. Obwohl sich die Lage auf dem Telekommunikationsmarkt leicht verbessert hat, erwarten Experten nur eine langsame Erholung.

Ericsson hat den Abbau weiterer 1500 Arbeitsplätze angekündigt. Zu Beginn einer umfassenden Umstrukturierung des Unternehmens im Januar 2009 sei noch mit dem Abbau von 5000 Stellen gerechnet worden, diese Zahl steige nun aber auf 6500, teilte Ericsson in Stockholm mit. Mit der Umstrukturierung will der Konzern umgerechnet mehr als eine Milliarde Euro jährlich einsparen.

Nokia Siemens Networks möchte, wie anlässlich der Umorganisation Anfang November 2009 bekannt wurde, 500 Mio Euro bis Ende 2011 einsparen. NSN musste im Gegensatz zu Ericsson Marktanteile einbüßen. Die Kosteneinsparung soll durch Umorganisation, stärkere Anpassung an Kundenbedürfnisse, Kostensenkung im operativen Geschäft und Reduzierung Overhead-Kosten sowie Personalabbau erreicht werden. Nokia Siemens Networks rechnet jedoch nicht mit einer Erholung am Telekommunikationsmarkt.

Alcatel-Lucent prognostiziert ebenfalls, dass der Markt in diesem Jahr stagniert oder bestenfalls ein Wachstum von fünf Prozent aufweisen wird.