LBU: Stand der Dinge

25.01.2010 von Inken Wanzek / Christine Rosenboom

Mitarbeiter haben uns gebeten, sie bei der Formulierung ihres Widerspruchs gegen ihre Herabstufung bei der Leistungsbeurteilung zu unterstützen. Da dies, wie wir aufgrund der Zuschriften wissen, keine Einzelfälle sind, möchten wir diese Unterstützung auch auf der Homepage für alle bereitstellen. Daher stellen wir ein paar Artikel zum Thema Leistungsbeurteilung bereit.

Insgesamt liegt die durchschnittliche Bewertung der Leistungszusage bei knapp über 14 Prozent, also im Durchschnitt aufgrund des Tarifvertrags. Der Arbeitgeber erreichte mit der neuen Beurteilungsrunde trotzdem finanzielle Einsparungen. Allerdings ist zu bemerken, dass die Schere zwischen Herabgruppierten und Mitarbeitern, die hinzugewonnen haben relativ groß ist. Etliche Mitarbeiter, darunter ganze Abteilungen, sind drastisch abgruppiert worden. Insbesondere Mitarbeiter ohne Arbeit mussten starke Einbrüche hinnehmen.

Enttäuschung

Auffällig ist, dass teilweise bis zu zwei Beurteilungsstufen in ein bis zwei Beurteilungsmerkmalen herabgestuft wurde. Mitarbeiter fühlen sich ungerecht behandelt, da ihre Arbeit offensichtlich nicht wertgeschätzt wird. Viele sind der Meinung, dass „Vorgesetzte vorgegeben bekommen haben, die LBU runterzusetzen. Jetzt werden nachträglich an den Haaren irgendwelche Scheingründe herbeigezogen, um dieses Runtersetzen mit schlechterer Leistung als bisher zu begründen.

Die betroffenen Mitarbeiter können sich vor allem nicht erklären, warum ihre Leistung plötzlich wie durch einen Börsencrash abgestuft wurde. Sie hätten erwartet, dass ihre Führungskraft ihnen rechtzeitig sagt, wenn diese den Eindruck hat, dass sich beim Mitarbeiter eine Leistungsschwäche zeigt. Ein klärendes Gespräch im Vorfeld, hätte die jetzt aufgetretene Demotivation verhindert.

Bisher waren wir überdurchschnittlich oder zumindest durchschnittlich bewertet. Jetzt plötzlich so über Nacht unter Durchschnitt!“

Warum wurde nicht schon vorher was gesagt, hätte man vielleicht was verbessern können, wäre toll für die Firma gewesen – zeigt von Führungsschwäche, die Chefs können nicht Motivieren.

Begründet wurde von Vorgesetzten auch mit dem Argument, die Leistung des Mitarbeiters sei ja nicht schlechter geworden, sondern nur neu ausgewürfelt worden.

So kamen viele Mitarbeiter zu dem Schluss, dass den Vorgesetzten eine Anweisung erteilt wurde, die Leistungsbeurteilung zu senken. Ein Mitarbeiter drückte diese Vermutung mit den Worten aus: „Wenn die Vorgesetzten ehrlich gesagt hätten das hat nichts mit deiner Leistung zu tun, aber aufgrund der wirtschaftlichen Situation von NSN muss jeder irgendwo Federn lassen, dann hätte ich das wenigstens verstanden, auch wenn die LBU unter 14% [Anmerkung der Redaktion: 14 Prozent sind Durchschnitt aufgrund des Tarifvertrages] gesunken wäre.

Insbesondere Mitarbeiter ohne Arbeit erlitten heftige Einbußen in der Leistungsbeurteilung.

Klar ist: Ein Widerspruch ist angebracht, wenn die Herabstufung der Leistung nicht nachvollziehbar ist.

In unserer Dienststelle liegt der Durchschnitt weit unter 14%. (bei ca. 10%). Nur einer von sechs liegt bei 14%.“

Widerspruch gegen die Leistungsbeurteilung

Arbeitnehmer oder Betriebsrat können gegen eine Leistungsbeurteilung Einspruch erheben. Wird durch den Arbeitgeber keine Abhilfe geschaffen, so ist der Einspruch einer paritätischen Kommission vorzulegen und von dieser – ggf. unter Anhörung der Beteiligten – zu behandeln. Dies hat unverzüglich zu erfolgen.

Der Betriebsrat hat dazu ein Formular auf der Betriebsratshomepage bereitgestellt.

Unsere Nachfolgeartikel geben Hilfestellungen zur Formulierung des Widerspruchs.