Akademiker-Arbeitslosigkeit gestiegen

26.01.2010 von Inken Wanzek

Die deutsche Wirtschaft erlebte 2009 die tiefste Rezession seit Bestehen der Bundesrepublik. Das reale Bruttoinlandsprodukt ist nach aktuellen Schätzungen jahresdurchschnittlich um 4,9 Prozent geschrumpft. Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt waren deutlich, blieben aber laut Bundesagentur für Arbeit (BA) angesichts des massiven Produktionseinbruchs vergleichsweise moderat. Im Jahresdurchschnitt 2009 habe sich die Erwerbstätigkeit und darunter die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nur wenig verringert. Allerdings gab es deutliche Abnahmen bei Vollzeitbeschäftigung, während sozialversicherungspflichtige und geringfügige Teilzeitbeschäftigung weiter zugenommen haben.

Im Dezember 2009 waren 11,3 Prozent mehr Akademiker arbeitslos als im Januar 2009, berichtete die BA. In absoluten Zahlen bedeutet dies einen Anstieg um 17.000 auf 167.000 beschäftigungslose Hochschulabsolventen. Das ist der stärkste Anstieg der Arbeitslosigkeit unter Akademikern seit der Krise der New Economy Anfang des vergangenen Jahrzehnts.

Im Dezember 2009 stieg die Zahl der arbeitslosen Ingenieure von 19.453 im Vorjahr auf 27.136. Dies entspricht einem Anstieg von 28,3 Prozent. Von den Elektroingenieure waren im Dezember 2008  2834 arbeitslos gemeldet, ein Jahr später waren es 4128, also 31,3 Prozent mehr.

Zu beachten ist, dass Arbeitnehmer ab 50 Jahre, die innerhalb eines Jahres nicht vermittelt werden können, sowie Arbeitnehmer, die sich in Maßnahmen des Arbeitsamts befinden, nicht in der Arbeitslosenstatistik geführt werden, wodurch sich natürlich ein verzerrtes Bild ergibt.

Die wirtschaftliche Krise zeigt sich laut Bundesagentur für Arbeit im Leiharbeitnehmersektor besonders deutlich. Im Juni 2009 standen bei den Verleihbetrieben 23 Prozent weniger unter Vertrag als im Juni 2008. Damit sank die Zahl der Leiharbeiter in Deutschland von 609.700 auf 425.100.Die Zahl der Zeitarbeitsfirmen lag zwar um 8 Prozent höher als im Vorjahr, aber die Zunahme erklärt sich alleine mit der Entwicklung im 2. Halbjahr 2008; von Dezember 2008 auf Juni 2009 ist dagegen ein Minus von 2 Prozent, das sind 600 Entleiherbetriebe weniger, zu verzeichnen.

Die Zahl der Leistungsempfänger von Arbeitslosengeld I und II hat im Vorjahresvergleich zugenommen. Im Dezember erhielten 5.925.000 erwerbsfähige Menschen Lohnersatzleistungen nach dem SGB III oder Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach dem SGB II. Das waren 317.000 mehr als vor einem Jahr. Integrierte Auswertungen zu Leistungsbezug und Arbeitslosigkeit liegen für den August vor. Danach waren 51 Prozent der Leistungsempfänger arbeitslos gemeldet. Von allen Arbeitslosen erhielten 88 Prozent Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung oder der Grundsicherung für Arbeitsuchende.