Löscher: Wirtschaftliche Lage weiter schwierig

26.01.2010 von Inken Wanzek

Industrien werden gezeigt, Bilder aus Asien, Krankenhäuser der dritten Welt, gefolgt von schnellen Autos und modernen Industrien. Die Musik wechselt von Moll auf Dur. Hoffung verbreitet sie. Die Welt wird besser, fortschrittlicher und das dank Siemens, das in aller Welt tätig ist. Schnelle Züge rauschen durch die Landschaft, Vorstandsmitglieder sieht man in Konferenzen, Hubschrauber überfliegen Gebiete, Kajakfahrer kämpfen gegen Stromschnellen, Menschen, die im Urwald einen Strommast aufbauen, erscheinen auf dem Bildschirm. Putin wird kurz eingeblendet, gefolgt von Zahlenkolonnen, operierende Ärzte, Scheichs, Fahrradfahrer in China, eine asiatische Frau, die in einen Bus steigt, Tai Chi in chinesischen Parks, Menschen aller Nationalitäten, ein Bild von Werner von Siemens, dem man die Telekommunikation genommen hat. Dann das Bild der Olympiahalle.

Dann begann die Hauptversammlung, die der Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme eröffnete. Auf ihn folgte der Siemens Vorstandsvorsitzende Peter Löscher, mit dessen Einschätzung der weltwirtschaftlichen Lage wir unsere Artikelreihe über die Hauptversammlung beginnen wollen.

Der Siemens Vorstandsvorsitzende, Peter Löscher, gab seiner Rede zwei Schwerpunkte, einmal die wirtschaftliche Lage in der Weltwirtschaftskrise und zum anderen den Beitrag, den Siemens für die Zukunft der Welt leisten möchte. In diesem Artikel wollen wir uns auf den ersten Punkt konzentrieren.

Löschers Einschätzung ist zweigeteilt: Aufstrebend für die Schwellenländer Brasilien, Indien, China und die Golfregion, abnehmend für die klassischen Industrieländer, auch wenn er letzteres ein wenig verhalten zum Ausdruck brachte. Gleich zu Anfang wurde Löscher jedoch deutlich, als er sagte:

„Der Publizist Peter Scholl-Latour spricht von dem Ende der Epoche westlicher Vormacht. Demographisch, ökonomisch und machtpolitisch gehöre die Zukunft anderen, schreibt er in seinem jüngsten Buch.“

So geben Löschers Worte: „Zum ersten Mal in der Nachkriegszeit ist die weltweite Wirtschaftsleistung in Summe gesunken. … Der tiefe Absturz der Weltkonjunktur scheint beendet. Seit Mitte 2009 deuten die wichtigsten Konjunkturindikatoren auf eine Stabilisierung hin“ nur ein wenig Trost, zumal er sofort nachschob: „Gleichwohl machen wir uns und der Öffentlichkeit beim Blick auf die nähere Zukunft nichts vor. 2010 wird für uns mindestens ein so schwieriges Jahr wie 2009. Und weiter nach vorne gerichtet rechnen wir mit einem Zeitraum von mehreren Jahren, bis der Absturz des vergangenen Jahres bewältigt ist.“

Siemens sieht die Zukunft also nicht rosig, obwohl der Konzern vergleichsweise gut aus der Krise hervorgekommen ist, allerdings auch mittels Abbau vieler Arbeitsplätze.

„Die Herausforderungen aus dem wirtschaftlichen Umfeld sind in diesem Jahr nicht geringer als vergangenes Jahr. Die Krise ist längst noch nicht überwunden. Es wird noch längere Zeit dauern, bis die allmähliche Erholung der Weltwirtschaft auch in der Industrie ankommt. Davor liegt eine Durststrecke und vor allem in spätzyklischen Geschäften zunächst noch ein tiefes Tal.“

Für europäische Arbeitnehmer dürfte die Krise noch lange weitergehen. Es zeige sich bereits heute sehr klar, so Löscher, „dass sich die Welt nach der Krise deutlich von der Welt vor der Krise unterscheiden wird!“ Die Industrieländer seien von der Krise erheblich stärker betroffen als die Schwellenländer. Diese haben sich als deutlich resistenter erwiesen. „Das galt vor allem für Brasilien, Indien, China und die Golfregion. Experten schätzen, dass allein aus diesen Ländern während der nächsten fünf Jahre die Hälfte des globalen Wirtschaftswachstums kommen wird. Entsprechend verändere sich die regionale Verteilung der Nachfrage „Soweit zum Wachstum der kommenden Jahre“, sagte Löscher.

Die größten Volumina des Siemens-Geschäfts kämen aber weiterhin aus den Industrieländern, allen voran aus den USA, Deutschland und den übrigen Ländern Westeuropas.“ Beiden Tatsachen müssen wir Rechnung tragen, so Löscher. „Wachstum aus den Schwellenländern, Volumen aus den Industrieländern.“ Leider erläuterte Löscher nicht welchen Unterschied er in den Begriffen „Wachstum“ und „Volumina“ sieht.