Outplacement über Schnupperangebote

28.01.2010 von Inken Wanzek

Auch wenn es eher untypisch ist, es gibt sie doch, die Schnupperangebote, um Mitarbeiter loszuwerden. Unternehmen bieten Mitarbeitern an in einer anderen Firma ein Schnupperpraktikum zu machen mit dem Ziel Firmenwechsel. Am Ende soll dann der Aufhebungsvertrag mit der alten Firma stehen, der das alte Arbeitsverhältnis beendet. Sagt einem das Schnupperangebot nicht so, so sollen dem Mitarbeiter dadurch keine Nachteile bei der alten Firma entstehen.

Klinkt auf den ersten Blick gut, kann man sich doch vorher die neue Firma ansehen. Doch es lauern einige Gefahren, die man kennen sollten, wenn man sich auf ein Schnupperangebot mit anschließenden Aufhebungsvertrag einlässt.

In der Praxis sind einem Schnupperangebot schon mehrere vergebliche Versuche des Arbeitgebers vorangegangen, den Mitarbeiter über einen Aufhebungsvertrag loszuwerden. In vielen Fällen wurde bereits psychischer Druck bis hin zu Mobbing ausgeübt. Mitarbeiter, die ein solches Schnupperangebot bekommen, wissen häufig nicht, wie sie dieses einschätzen können, haben oft die Erfahrung gemacht, dass die formale Floskel „Es werden Ihnen bei Ablehnung keine Nachteile entstehen“ in der Praxis anderes aussieht. Was also tun? Sich weigern? Es versuchen? Wechseln?

Grundregel Nr. 1: Nicht unter Druck setzen lassen! Je mehr Druck ausgeübt wird, desto unwahrscheinlicher ist es, dass das Angebot seriös ist.

Grundregel Nr. 2: Man muss sich nicht auf das Schnupperpraktikum einlassen, wenn man nicht will. Also Nein sagen und nicht „vielleicht“, „ich denke darüber nach“ usw. Wenn man sich klar darüber ist, dass das Angebot nichts für einen ist, stressen unklare Aussagen einen selbst und bieten der Personalabteilung jede Menge Gründe, um zu weiteren Personalgesprächen zu laden.

Grundregel Nr. 3: Wenn Sie sich auf das Schnupperpraktikum eingelassen haben, ist damit zu rechnen, dass danach Ihre alte Firma versucht, Sie zur Annahme des neuen Arbeitsplatzes zu bewegen und wird Sie verstärkt zu einem Aufhebungsvertrag drängen. Auch hier gilt dann: Man muss sich bewusst sein: Man darf Nein sagen und man sollte das auch deutlich tun, wenn man nicht wechseln will.

Grundregel Nr. 4: Möchte man das Angebot annehmen, weil das Schnupperpraktikum erfolgreich gelaufen ist, sollte man sich trotzdem unbedingt die Nachteile ansehen, die aus so einem Wechsel entstehen können.

Gefahren gibt es bei einem Schnupperangebot und anschließenden Arbeitsplatzwechsel durchaus, denn schließlich kann man bei aller Freundlichkeit während des Praktikums nie ausschließen, ob man nicht elegant über die neue Firma entsorgt werden soll. Daher sollten Sie sich vorher absichern.

  1. Informieren Sie sich vor der Unterschrift unter einen Aufhebungsvertrag über die wirtschaftliche Situation der neuen Firma. Suchen Sie im Internet, was Sie über diese Firma finden.
  2. Falls Sie tariflichen Kündigungsschutz (10 Jahre bei der tarfigebundenen Firma und 55 Jahre alt, gilt für Bayern, andere Bundesländer haben ähnliche Regelungen) haben, verlieren Sie diesen Schutz beim Wechsel in die neue Firma. Das ist unabhängig davon, ob die neue Firma Mitglied im Metallarbeitgeberverband ist oder nicht. Sie nehmen bei einem solchen Wechsel Ihre Betriebszugehörigkeitszeiten nicht mit, denn es liegt hier kein Betriebsübergang nach §613a BGB vor. In der neuen Firma fangen Sie bei Null an. Gleiches gilt z.B. auch für den Siemens Jubilarschutz.
  3. Angenommen Sie haben die Probezeit erfolgreich bestanden. Es kommt zu einem wirtschaftlichen Einbruch und in Folge dessen zu einer Kündigung. Dann sind Sie wegen Ihrer geringen Betriebszugehörigkeit aufgrund der gesetzlich vorgeschriebenen Sozialauswahl, einer der ersten, die eine solche Kündigung treffen kann.
  4. Ihre alte Firma, insbesondere wenn es sich um einen Konzern handelt, sollte Ihnen, wenn sie zu der neuen Firma wechseln wollen, eine Abfindung in der üblichen Sozialplanhöhe zahlen. Der Betriebsrat kann Ihnen sagen wie hoch diese gewöhnlich ist.

Zum Schluss sei für unsere Leser, die bei NSN beschäftigt sind, gesagt, dass uns aktuell solche Schnupperangebote nicht aus NSN heraus bekannt geworden sind.

  1. In der neuen Firma werden Sie nach der Schnupperwoche eine Probezeit von 6 Monaten haben. In dieser Zeit können Sie selbst und der neue Arbeitgeber ohne Angabe von Gründen kündigen. Tut der Arbeitgeber dies, sind sie arbeitslos.

Sie sollten daher vertraglich mit der neuen Firma (nicht mit der alten) vereinbaren, dass diese auf die Probezeit verzichtet. Eine Vereinbarung mit der alten Firma über die Probezeit ist für die neue Firma nicht rechtlich bindend.

Alternativ könnten Sie versuchen mit Ihrer alten Firma zu vereinbaren, dass Sie dorthin zurückkehren können, falls die neue Firma Sie während der Probezeit kündigt. Eine solche Vereinbarung sollten Sie von einem Rechtsanwalt auf ihre Rechtssicherheit überprüfen lassen.

Wenn keine von beiden Vereinbarungen zustande kommt, dann müssen sie für sich abwägen, ob sie das Risiko, in der Probezeit gekündigt zu werden, eingehen wollen. Bedenken Sie, dass hier nicht nur Ihre Leistung ausschlaggebend ist. Es können auch wirtschaftliche Dinge vorliegen oder einfach die Tatsache, dass Ihrem neuen Chef Ihre Nase nicht passt. Gründe müssen nämlich bei einer Kündigung in der Probezeit nicht angegeben werden.