Siemens baut 2000 Stellen in Deutschland ab

28.01.2010 von Inken Wanzek

Franken besonders betroffen

Trotz guter Quartalsergebnisse hat der Siemens-Konzern angekündigt, knapp 2000 von den 128.000 Arbeitsplätzen in Deutschland zu streichen. Der Abbau soll überwiegend in Bayern erfolgen. Betroffen seien die Antriebstechnologie und das Geschäft mit Großanlagen für die Industrie, teilte Siemens mit. Dieser Sektor litt in den vergangenen Monaten am heftigsten unter den Folgen der Wirtschaftskrise.

Massive Einbrüche im Maschinenbau, ein Technologiewechsel bei bestimmten Motoren und die lahmende Investitionstätigkeit bei Großanlagen für die Industrie zwingen zu den Anpassungen, argumentierte der Konzern. Die Entscheidungen habe man sich nicht leicht gemacht, doch sei auf der Kundenseite keine rasche Erholung in Sicht, sagte der Chef des Siemens-Industriesektors, Heinrich Hiesinger.

Besonders betroffen sind die fränkischen Standorte in Bad Neustadt a. d. Saale und Erlangen. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer bezeichnete den geplanten Stellenabbau als “Hiobsbotschaft”. Zugleich zeigte er Verständnis für die Entscheidung des Managements. Die realen Auswirkungen der Wirtschaftskrise würden erst jetzt auf den Arbeitsmarkt durchschlagen, sagte Seehofer.

Neben den Streichungen in Franken sollen weitere 850 Arbeitsplätze im Bereich Industry Solutions wegfallen. Betroffen davon sind Standorte in ganz Deutschland, an denen Anlagen für die Stahl-, Zement- und Papierbranche gebaut werden.

Siemens Bad Neustadt an der Saale – Verlagerung der Produktion

Hier sollen über 1.100 Arbeitsplätze wegfallen. Vom Arbeitsplatzabbau ist vor allem der Industriebereich bei Motion Control und Large Drive betroffen. In Bad Neustadt an der Saale im Landkreis Rhön-Grabfeld droht bis 2012 ein Verlust von 840 Arbeitsstellen, bestätigte der Erlanger IG Metall-Chef Wolfgang Niclas dem Bayerischen Rundfunk. Die 2.140 Beschäftigte in Bad Neustadt stellen Niederspannungsmotoren her. Nach Angaben von Siemens soll die Produktion an den tschechischen Standort Mohelnice verlegt werden.

Siemens Erlangen

In Erlangen sollen 300 Stellen im Werk in der Frauenauracher Straße entfallen. Dort wird bislang die Elektronik für die in Bad Neustadt hergestellten Motoren gefertigt.

Siemens Berlin

Vom geplanten Stellenabbau bleibe die Produktion am Standort Berlin verschont, berichtete heute Welt-Online. Dort gebe es keine Fertigung und Entwicklung der betroffenen Konzern-Divisionen, sagte eine Sprecherin auf Anfrage von Welt Online am Donnerstag. Inwiefern es Auswirkungen für Beschäftigte in Service und Vertrieb geben könnte, sei noch nicht zu sagen, so Siemens.

Siemens wolle die Arbeitsplätze “möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen“ abbauen, sagte Personalvorstand Siegfried Russwurm. Die Planungen seien den Betriebsräten im Wirtschaftsausschuss vorgestellt worden.

Proteste angekündigt

Noch auf der Hauptversammlung am Dienstag habe Konzernchef Peter Löscher von guten Zukunfts- und Geschäftsaussichten durch den Ausbau grüner Technologien geschwärmt, kritisierte die stellvertretende Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Siemens Birgit Steinborn. “Für die Beschäftigten stellt sich das ganz anders dar.“

Die IG Metall hat massive Proteste angekündigt und fordert Alternativen. So seien die Möglichkeiten, die Nachfrageschwäche durch Kurzarbeit abzufedern, in einigen Bereichen des Industriesektors noch längst nicht ausgeschöpft, sagt Steinborn. Stattdessen mit Stellenabbau auf die Krise zu reagieren hält sie schlicht für “fantasielos“.

NCI Homepage in Erlangen gesperrt

Rechtzeitig zur Bekanntgabe des Stellenabbaus wurde die NCI Homepage am Standort bei Siemens I Mo in Erlangen gesperrt, wie uns Kollegen kürzlich mitteilten. Motion Control ist stark vom Stellenabbau betroffen. “Ich finde das einfach nur lächerlich”, kommentierte einer der Kollege die Sperrung unserer Seite.