Es ist ein Spiel mit Regeln

31.01.2010 von Inken Wanzek

Jeder kann sich doch sicher an das Kinderspiel „Schwarzer Mann“ erinnern. In unserer Phantasie war das immer ein rußverschmierter Schornsteinfeger. Wenn dieser ruft: „Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?“ schreien alle mutig „Niemand!“. „Und wenn er aber kommt?“ „Dann laufen wir davon!“ Unter großem Gekreische liefen dann alle bis zur rettenden Wand.

In unserer modernen Zeit wird dieses Spiel immer noch gerne gespielt, selten aber als solches erkannt. Heute heißt der Ruf: „Sozialplan!“ und diese Wort soll unter Mitarbeitern Angst und Schrecken verbreiten, ist er doch meist mit Stellenabbau verbunden. Als Kinder haben wir gerufen „Niemand!“, manchmal aber doch heimlich Angst gehabt vor dem schwarzen Gesicht, das so verändert aussah. Mutig aber haben wir gerufen: „Niemand!“, weil wir wussten, der Mann kann uns in diesem Spiel nicht wirklich etwas tun.

Wie ist das nun bei einem Sozialplan mit Aufhebungsvertrag und Abfindung? Hier wissen wir auch, niemand kann uns dazu zwingen, diesen Aufhebungsvertrag zu unterschreiben. Die Unterschrift ist freiwillig. Wir wissen auch, Kündigungen gehen nur mit Sozialauswahl und für den Arbeitgeber sind sie die schlechtere Lösung, denn die Prozesse dauern lange, kosten Geld und die Wahrscheinlichkeit, dass der Arbeitnehmer wegen fehlerhafter Sozialauswahl gewinnt, ist sehr hoch. Wir können also in voller Überzeugung rufen: „Niemand!

Meist folgt dann, um uns doch noch Angst zu machen: „Und wenn er aber kommt?“ Dann laufen wir wie im Spiel zur rettenden Wand. Diese Wand ist das klare und eindeutige „Nein!“ zu einem Aufhebungsvertrag, wenn wir ihn nicht wollen. Wer aber nur darauf wartet, dass endlich wieder Abfindungen angeboten werden, der kann sich getrost vom Schwarzen Mann fangen lassen.

Es ist ein Spiel mit Regeln, damals wie heute. Man muss es sich nur bewusst machen, auch wenn es einem manchmal wie damals als Kind mulmig wird.