Erfolreicher Kampf gegen Siemens – ein Kommentar

11.02.2010 von Inken Wanzek

Der Kampf der ehemaligen BenQ-Mitarbeitern mit dem Siemens Konzern ist in seiner Bedeutung vergleichbar mit dem Arbeitskampf, den 2003 Beschäftigte der Siemens AG in der Münchner Hofmannstraße geführt haben. Seitdem gab es keine Massenkündigungen mehr in Konzernen. So unterschiedlich beides ist, so viel ist beiden gemeinsam.

Der Kampf war lang. Er dauerte in beiden Fällen Jahre. Der Ausgang war ungewiss, als die BenQ-Mitarbeiter ihren Kampf mit ihrem nachträglichen Widerspruch und die Siemens-Mitarbeiter der Hofmannstraße ihn mit ihrer Entscheidung, ich wähle die betriebsbedingte Kündigung und nicht den Aufhebungsvertrag oder die Beschäftigungsgesellschaft, begonnen hatten.

Sie haben sich auf den Weg durch die Instanzen gemacht, nicht aufgegeben. Leicht war der Weg nicht. Die Frage, ist das richtig, was ich tue, tauchte immer wieder auf, das Gefühl, wie soll ich das durchhalten, der Wunsch nach Ruhe, frei von dem alten Ballast zu sein, kam immer mal wieder hoch, wurde mehr als einmal von dem Willen in die Flucht geschlagen, ich will meinen Arbeitsplatz erhalten, ich will, dass Recht Recht bleibt. Ein emotionales Auf und Ab, Mut und Angst lösten einander ab. Was half war die Gemeinschaft, die Solidarität untereinander. Sie gingen weiter.

Dann kam der große Erfolg. Für die einen vor dem Bundesarbeitsgericht: Ihr nachträglicher Widerspruch ist rechtswirksam! Für die anderen mit der Verkündung des Urteils durch das Landesarbeitsgericht München: Ihre Kündigung ist unwirksam!

Das Unglaubliche ist wahr geworden. Ausdauer, Mut, Solidarität und der Wille, einen großen Konzern nicht einfach durchmarschieren zu lassen, führte zu diesen Erfolgen. Jetzt wurde auch der Kündigungsschutzprozess gegen Siemens für zwei Ex-BenQ-lern in der ersten Instanz gewonnen.

Der „Kleine“ hat gegen den „Großen“ gesiegt. Das geht nicht, haben viele gesagt. Trotzdem hat Dawidh gegen Goliath gewonnen – bereits ein zweites Mal.

Die These, es hat keinen Sinn sich gegen eine Konzern wie Siemens zu wehren, ist widerlegt. Arbeitnehmer sind nicht hilflos ihrem Schicksal ausgeliefert, dann, wenn sie bereit sind, zu kämpfen, ihre Rechte konsequent wahrzunehmen. Nur so kann ein menschenwürdiges Arbeitsleben auf Dauer erhalten werden.

„Ihr könnt nicht siegen …“, hieß es.

Doch

„Unser persönlicher Sieg war das Vermögen,

das für unvermeidlich gehaltene Ausrufezeichen

zu ignorieren und damit darüber hinwegzukommen.

Indem wir zunächst kein Satzzeichen gewählt haben,

wurden neue Lösungsansätze möglich

und neue Partner gewonnen.“

Heribert Fieber

Und eines ist klar: Das, was man fürs Leben gewinnt, wenn man einmal den Mut gefunden hat, für sich und andere zu kämpfen, ist unersätzlich.