Was kann man tun?

28.02.2010 von Inken Wanzek

Den Arbeitsplatz bedroht zu sehen, löst – wie Psychologen sagen und es auch unserer Erfahrung entspricht – bei jedem Menschen eine tiefe Betroffenheit aus. Nach der Konfrontation mit der Nachricht “Wir haben keine Arbeit mehr für Sie!“ durchläuft der Mensch die Phasen Schock, Verleugnen/Nicht-wahr-haben wollen, Aggression, Niedergeschlagenheit. Wenn spätestens dann die Isolierung nicht durch “Mit-einander-reden” aufgebrochen worden ist, folgen unweigerlich die Phasen Abschied und Trennung. Je nach Zukunftsaussichten, Persönlichkeit, Umfeld, schließt sich dann die Phase des beruflichen Neuorientierens oder die Phase des Sich-Aufgebens an.

Der einzige Weg aus diesem psychologischen Dilemma ist: Innehalten, aufstehen, reden, vertrauen, sich informieren und sich dann für einen Weg entscheiden.

Was passiert, wenn man nicht innehält, seinen kreisenden Gedanken kein lautes Stopp zuruft? Man wird in dem Gedankenkreislauf der Panik bleiben, Hilfe von anderen erwarten, selbst nichts tun, sich selbst mehr und mehr verlieren bis man wirklich nichts mehr tun kann. Wie hält man inne? Man ruft tatsächlich laut oder leise, seinen Gedanken zu: Stopp! Man befiehlt ihnen, sich selbst. Wer es ernsthaft ausprobiert, wird sehen, dass es klappt. Andere Gedanken können wieder Raum finden.

Was passiert, wenn man nicht aufsteht? Man wird zum Spielball derer, die über einen bestimmen wollen. Die Ereignisse treiben einen vor sich her. Aufstehen ist der Entschluss: Ich will handeln. Ich sehe diesen Arbeitsentzug, die Bedrohung des Arbeitsplatzes als Herausforderung, als neues Projekt, das der Arbeitgeber mir gegeben hat. Ich weiß, dass ich Projekte stemmen kann. Jahrelang, Jahrzehntelang habe ich das bewiesen. Ich stemme auch dieses Projekt. Wie? – Wie immer. Ich überlege mir die erforderlichen Schritte. Ich frage mich, was ich erreichen will. Ich suche nach Informationen, die mich meinem Ziel näher bringen, suche Verbündete. Die rationale Handlungsweise schafft Distanz. Die Panik geht zurück, auch wenn sie immer mal wiederkehrt.

Was passiert, wenn ich nicht rede? Ich bleibe allein in einem unbekannten Gebiet. Ich erfahre zu wenig. Also rede ich. Wenn ich rede, erfahre ich etwas, lerne Menschen kennen, die dieses neue Gebiet bereits kennen. Ich erfahre, ich bin nicht allein. Ich kann nicht verlangen, dass der andere weiß, was ich brauche. Ich muss es sagen. Es ist doch nicht so einsam, wie ich dachte.

Was passiert, wenn ich nicht vertraue? Ich drehe mich im Kreis, komme zu keinem Handeln. Woher weiß ich, wem ich vertrauen kann? „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“, steht in der Bibel. Es sind die Taten, die konkrete Hilfe und nicht die Worte, die zählen. Meine Taten und die Taten der anderen werden zu meinem neuen Maßstab. Ich muss ein bisschen üben, denn zu sehr sind wir es gewohnt, uns von Worten einwickeln zu lassen.

Was passiert, wenn ich mich nicht informiere? Ich gehe dann blind irgendeinen Weg. Ich kann nicht abwägen, meine persönlichen Verhältnisse nicht an den Möglichkeiten spiegeln. Ich bin ausgeliefert. Das will ich nicht, also informiere ich mich, auch wenn alles neu ist und ich es als mühsam empfinde.

Was passiert, wenn ich mich nicht entscheide. Ich gehe keinen Weg, verharre an der Weggabelung. Beginne wieder zu jammern und zu klagen, alles auf andere zu schieben. Mein Ziel, ich werde es nie erreichen.

Was also muss ich tun? Anfangen und aufhören, mich selbst zu bemitleiden. Ich will nicht in Hartz IV, also muss ich alles dafür tun, damit dies nicht geschieht. Ich. Das ist das Problem, oder?

Ich will nicht das Problem sein, also …