Kurzarbeit schützt nicht vor Stellenabbau

01.03.2010 von Inken Wanzek

Der Blick nach SEN könnte für die NSN Mitarbeiter ein kleiner Blick in die Zukunft sein.

SEN hatte ab 1.8.2009 Kurzarbeit angesetzt. Diese sollte bis 31.5.2010, also 10 Monate, dauern. Dabei wurde die Arbeitszeit für alle Vertriebsbeauftragte um 3 Tage und für alle anderen Mitarbeiter um 5 Tage pro Monat abgesenkt. Eventuelle Ausnahmen wurden mit dem Gesamtbetriebsrat geregelt. Das Gehalt betrug während dieser zehn Monate noch 85% des individuellen monatlichen Nettoentgelts. Kündigungsschutz war mit dieser Kurzarbeit verbunden. Die Rahmenbedingungen sind also bei SEN ähnlich geregelt wie in der Gesamtbetriebsvereinbarung bei NSN vereinbart.

Trotz Kurzarbeit plante der Arbeitgeber einen Personalabbau von 800 Mitarbeitern, verteilt über das Unternehmen, durchzuführen. Dies ist erlaubt, denn Freiwilligen-Angebote sind keine Kündigungen.

Ausgewählte Mitarbeiter erhielten die üblichen Angebote, Aufhebungsvertrag und Beschäftigungsgesellschaft. Der Personalabbau wurde am 30.09.2009 abgeschlossen. Das Ziel, 800 Mitarbeiter weniger, konnte von der SEN-Führung nicht erreicht werden. Nur im Stammhaus in München sind 100 mehr Mitarbeiter gegangen als geplant. Zusätzlich gab es Nullrunden in den variablen Einkünften für alle Arbeitnehmer.

Kurzarbeit und Stellenabbau durch die so genannten freiwilligen Maßnahmen führte jedoch zu gravierenden Engpässen im täglichen Geschäft. Auch in Bereichen, die von Kurzarbeit ausgenommen waren, kam es zu Engpässe. „Spätestens jetzt muss mit blindem Kopfzahldenken Schluss sein“, forderte der Gesamtbetriebsrat.

Man stellte sich nun die Frage: Sollen mehr als ein Drittel der Leute aus der Kurzarbeit genommen werden, um die Arbeit zu erledigen?

Am 6.11.2009, also nach gut drei Monaten Kurzarbeit, erreichte die Mitarbeiter eine E-Mail der Geschäftsführung, in der freudig das Ende der Kurzarbeit angekündigt wurde. Ab 9. November werde die Kurzarbeit ausgesetzt, hieß es, der Kündigungsschutz bleibe aber bis zum 31.05.2010 bestehen. „Die Kurzarbeit“, so die Geschäftsführung, „war ein wertvoller Beitrag zur Stabilisierung unseres Unternehmens in dem von der derzeitigen Wirtschaftskrise geprägten Umfeld. Inzwischen können wir einen Umsatzanstieg und weitere positive Signale in unserer Geschäftsentwicklung verzeichnen. Umso wichtiger ist es nun, sich wieder mit voller Kraft unseren Kunden und Partnern zuzuwenden.“ Der Betriebsleitung muss man zu Gute halten, dass sie nach drei Monaten das Experiment abbrach.

Heute erreichte uns die Nachricht, dass erneuter Stellenabbau angesagt ist. Die froh verkündete Stabilisierung ist offensichtlich wieder instabiler geworden.  Das Soll der 800 Mitarbeiter, übrig geblieben vom letzten Jahr, muss erreicht werden. Es trifft auch wieder das Stammhaus in München, obwohl hier das Soll bereits übererfüllt war. Mitarbeiter werden mal wieder angesprochen werden. Die Namen stehen laut Vorgesetzten bereits fest, wurden dem Betriebsrat aber noch nicht genannt. Auch Düsseldorf ist von diesem erneuten Personalabbau betroffen.

Was also hat die Kurzarbeit für SEN und die Mitarbeiter gebracht? Unter dem Strich nichts oder besser gesagt 30 Prozent weniger Gehalt für die Mitarbeiter für drei Monate und erhöhten Arbeitsdruck durch entstehende Engpässe. Kurzarbeit hat den Personalabbau nicht verhindert.

Heute ist alles wie immer: Jedes Jahr Stellenabbau, Angebote für die Mitarbeiter, die dieses Spiel langsam leid sind. Das Experiment Kurzarbeit kann bei SEN als gescheitert angesehen werden.

Mal sehen, was bei NSN auf die Mitarbeiter zukommen wird.