Kurzarbeit bei NSN – weitere Informationen

04.03.2010 von Inken Wanzek

Betroffene Standorte

Von Kurzarbeit betroffen sollen die Standorte Berlin, Düsseldorf, Greifswald, Leipzig und München sein. In Berlin sind nach Angaben von Mitarbeitern voraussichtlich 75 Kollegen von Kurzarbeit betroffen. Die Betriebsleitungen haben, wie in einem Schreiben mitgeteilt wurde, sich bereits mit den örtlichen Betriebsräten in Verbindung gesetzt, um mit den Verhandlungen über Kurzarbeit zu beginnen. Die Betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden sobald als möglich informiert, heißt es. Die Ankündigungsfrist für Kurzarbeit beträgt 21 Tage. Man fragt sich unwillkürlich, warum hören die Mitarbeiter vom Betriebsrat nichts!

Anzahl der Kurzarbeiter

In den Werken in Bruchsal und Berlin befinden sich, wie berichtet, Mitarbeiter bereits seit einigen Monaten in Kurzarbeit. Die heute genannte Zahl von 600 Mitarbeitern, die in Kurzarbeit geschickt werden sollen, ist zusätzlich zu den Kolleginnen und Kollegen zu verstehen, die sich bereits in Kurzarbeit befinden.

Betroffene Geschäftsgebiete

Welche Geschäftsgebiete von Kurzarbeit betroffen sind, ist nicht bekannt. Es heißt lediglich, dies sei Gegenstand der Verhandlung mit den Betriebsräten. Die Frage ist, wie sollen Betriebsräte beurteilen können, ob in den von NSN vorgesehenen Bereichen Kurzarbeit sinnvoll oder eher contra-produktiv für die Mitarbeiter ist, wenn sie diese nicht mit in die Diskussion einbeziehen. Ziel kann es nicht sein, dass einzelne Mitarbeiter in Kurzarbeit gehen müssen und andere unter der verbleibenden Arbeitslast zusammenbrechen. Teilweise haben wir schon heute ein krasses Missverhältnis in der Verteilung der Arbeit.

Weitere Maßnahmen parallel zur Kurzarbeit

Parallel zur Kurzarbeit sollen die Betriebs- und Fertigungsgemeinkosten unter anderen in Bereichen wie Real Estate und Informationstechnologie sowie die Verwaltungskosten gesenkt werden. Weiter ist geplant „Standortoptimierungen und strategische Neuausrichtungen des Personalstandes“ durchzuführen. Unter Standortoptimierungen können Betriebsschließungen und Betriebszusammenlegungen verstanden werden. Was unter einer strategischen Neuausrichtung des Personalstandes über Aufhebungsverträge usw. hinaus zu verstehen ist, ist zurzeit noch unklar.

Standort Deutschland

NSN gibt an, der deutsche und der europäische Markt werden für NSN auch in Zukunft sehr wichtig sein. Das bestreitet niemand. Die Frage ist nur, wie weit und wie viele der deutschen Mitarbeiter in Zukunft auch noch sehr wichtig sein werden. Gleiches gilt für Finnland. Ob es angesichts der Entwicklung bei NSN tatsächlich beruhigt, wenn NSN sagt, in Deutschland werden auch in Zukunft alle Schlüsselfunktionen von Nokia Siemens Networks– Forschung und Entwicklung, Produktion, Vertrieb und Marketing, Services, Produktdesign – abgedeckt sein, mag jeder für sich selbst beurteilen. NSN gibt jedenfalls an, ein Großteil der Belegschaft werde weiterhin hier beschäftigt. Deutschland bliebe zudem ein wichtiger, stark fokussierter Innovationsstandort. Man bedenke, der Großteil der Belegschaft schrumpft durch jährlichen Stellenabbau von Jahr zu Jahr in Deutschland. Das relativiert die Aussage.

Wut, Unruhe, Angst und Sorge um die Zukunft

Wie gesagt, wie weit man den beruhigenden Worten des Managements angesichts der Entwicklung in der Vergangenheit Glauben schenken will, ist eine persönliche Entscheidung. Versprochen wurde schon viel, gehalten wenig. Der Fakt bleibt: Die Mitarbeiter werden in Deutschland Jahr für Jahr aufs Neue abgebaut, ob man da Kurzarbeit dazwischen schaltet oder nicht, spielt letztlich keine Rolle. Kurzarbeit ist halt in, der Staat zahlt, die Gewerkschaft forciert sie in allen Betrieben. Am Ende werden wohl wieder die sozialverträglichen Lösungen oder „Standortoptimierungen und strategische Neuausrichtungen des Personalstandes“ stehen.

Was kann man Mitarbeitern raten: Augen auf! Mut! Informieren! Reden, nicht schweigen. Rechte durchsetzen, solange man noch in der Position ist, welche wahrnehmen zu können! „Augen zu und hoffen, dass alles gut geht“ dürfte in Zukunft, die immer schlechter werdende Strategie werden.

Es ist doch völlig egal, ob NSN -10%, 10% oder 50% Rendite macht. Fakt ist, die wollen Deutschland platt machen. Die Marktanteile werden durch NSN FI übernommen. Siemens ist eh alles egal. Wir sollten uns darauf konzentrieren, wie wir es Siemens und NSN-Finnland möglichst teuer machen, uns zu schlachten.“, schrieb uns ein Mitarbeiter und drückt wohl aus, was viele empfinden. Wir wollen, dass er weiß, dass dieser Schrei gehört wird. Mich haben die Worte unwillkürlich an Edvard Munch Bild “Der Schrei” erinnert. Das Management sollte sich das Bild ansehen, wenn es wissen will, wie es seiner Belegschaft geht.

Das Management sollte nicht vergessen, dass seine Mitarbeiter Menschen sind, die diese unerträgliche Situation der Ungewissheit über Jahre hinweg nicht mehr aushalten. Viele erkranken physisch und psychisch. Der Betriebsrat sollte dies auch nicht vergessen. Auch dieser sollte aufhören, sich zu verschanzen, zu schweigen, zu warten, auszuharren. Die Mitarbeiter haben ein Recht auf Informationen. Es ist ihr Schicksal, ihre Zukunft, um die es geht! Und das sollte begriffen werden!