Siemens-Manager nach 26 Stunden wieder frei

06.03.2010 von Christine Rosenboom

Die Personalchefin sowie der Verwaltungs- und Finanzchef waren am Montagnachmittag in einem Büro des Siemens-Werks in Saint-Chamond von Siemens-Mitarbeitern festgesetzt worden. Erst nach 26 Stunden konnten sie das Gebäude am Dienstagabend wieder verlassen, wie die Geschäftsleitung mitteilte. Die Siemens-Mitarbeiter protestieren durch diese Aktion gegen eine geplante Werksschließung in Frankreich und wollen höhere Abfindungen erzwingen. In französische Unternehmen haben Arbeitnehmer in den vergangenen Monaten immer wieder Manager im sogenannten „Bossnapping“ festgehalten, um ihre Forderungen durchzusetzen.

Siemens VAI Metals Technologies, das letzte große Planungs-, Entwicklungs- und Konstruktionsbüro in Frankreich für die Eisen- und Stahlindustrie, will an zwei Standorten in der Region Rhône-Alpes etwa 240 von 600 Mitarbeitern entlassen. Die Gewerkschaft hatte Abfindungen für die Betroffenen in Höhe von 30.000 Euro verlangt. Siemens hatte aber nur zwischen 5000 und 24.000 Euro angeboten, hieß es.

Die Gewerkschaften wollen erreichen, dass das Werk in Saint-Chamond nicht komplett geschlossen wird. Die Manager wurden erst freigelassen, als sich die Unternehmensleitung zur Wiederaufnahme der Verhandlungen bereiterklärte. An diesem Mittwoch sollen die Gespräche fortgeführt werden, bestätigte der Frankreich-Chef von Siemens, Bernhard Fonseka.

Siemens in München hatte zuvor dementiert, dass es sich um eine Geiselnahme gehandelt habe. Die Siemens-Führungskräfte seien freiwillig in dem Unternehmen geblieben und mit den Beschäftigten in Verhandlungen.