Psychische Erkrankungen steigen an

09.03.2010 von Inken Wanzek

„Jeder zweite fühlt sich von Schlafstörungen betroffen“, sagte DAK-Chef Herbert Rebscher. Besonderer Stress und Grübeleien in der Nacht sind die häufigsten Auslöser. Das geht aus dem Gesundheitsreport 2010 der Krankenkasse DAK vor, den diese in Berlin vorstellte. Im Auftrag der DAK wurden 3000 Erwerbstätige zwischen 35 und 65 Jahren befragt.

Rund 28 Prozent der Befragten leiden manchmal unter Schlafstörungen, 21 Prozent häufiger. Insgesamt hat jeder zehnte Arbeitnehmer schwere Störungen, schläft mindestens dreimal pro Woche schlecht und quält sich fast immer stark übermüdet durch den Tag. Insgesamt leiden rund vier Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland unter schweren Schlafstörungen. Ursache dafür sind hauptsächlich Leistungsdruck und die Angst um den Arbeitsplatz. Die andauernde Wirtschaftskrise dürfte die Situation noch weiter verschärfen.

Die gesundheitlichen Probleme liegen auf der Hand: Nervosität, Depression, Herz- und Kreislaufstörungen. Regelmäßiges Aufwachen, längeres Wachliegen und riskant kurzer Schlaf unter sechs Stunden sind laut der Studie die Hauptprobleme. „Wenn man chronisch weniger als sechs Stunden schläft, hat man eine deutlich kürzere Lebenserwartung“, warnte der Berliner Schlafmediziner Ingo Fietze.

Viele Menschen können nicht mehr. Die Angst vor einer unsicheren Zukunft macht krank. Seit 2007 steigen die krankheitsbedingten Fehlzeiten wieder leicht, aber kontinuierlich an. Von Januar bis Oktober 2009 lag der Krankenstand bei 4,0 Prozent, im gleichen Vorjahreszeitraum waren es 3,8 Prozent (2007: 3,7 Prozent). Auffallend ist: Die psychischen Erkrankungen weisen die gravierendsten Steigerungsraten auf. Aktuell sind psychische Erkrankungen mit 10 Prozent aller Krankentage die viert wichtigste Krankheitsgruppe; vor rund 30 Jahren tauchten sie in den Gesundheitsstatistiken kaum auf (1976: 2 Prozent). Auf Muskel- und Skeletterkrankungen gehen mit 26 Prozent die meisten Krankentage zurück.

Führungskräfte im Management und Ingenieure fehlen krankheitsbedingt mit ein bis zwei Wochen im Jahr weitaus seltener als gewerbliche Arbeitnehmer. Jedoch gibt es auch bei Beschäftigten mit hohen Qualifikationen und Einkommen leichte Steigerungsraten: Auffällig auch hier: Es lassen sich überdurchschnittlich steigende Zunahmen der psychisch bedingten Leiden feststellen.

Häufigste psychische Erkrankungen sind Angststörungen und Depressionen. Bei rund 20 Prozent aller weiblichen und jedem zehnten männlichen Versicherten über 50 wurden Depressionen diagnostiziert. Dies korreliert mit der geringen Chance bei Jobverlust einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Die Zunahme dieser Erkrankungen liegt auch an verstärkter Diagnostik und Dokumentation durch die behandelnden Ärzte. Zudem rückt das Burnout-Syndrom in den Vordergrund. Auch Erkrankungen am Burnout-Syndrom sind im steigen begriffen.

Arbeitslose weisen die steilsten Steigerungsraten bei psychischen Krankheiten auf. Dies ist kein Wunder, denn Existenzängste, der Druck einen Job finden zu müssen, der Verlust gesellschaftlichen Ansehen und schlichte Geldsorgen, drücken auf die Psyche. In den letzten vier Jahren verdoppelten sich die psychisch verursachten Krankheitstage von Arbeitslosen.

Bei Beschäftigten haben überdurchschnittlich häufig Telefonistinnen, Krankenpflegerinnen und Sozialarbeiterinnen; bei den Männern Sozialpädagogen und Sozialarbeiter, Sozialarbeiter und Schienenfahrzeugführer wie auch Krankenpfleger seelische Leiden. Aber auch in Branchen mit insgesamt niedrigen Krankenständen wie den Informationsdienstleistungen, dem Kredit- und Versicherungsgewerbe sowie bei Verlagen und Medien liegen psychisch bedingte Krankentage 3 Prozent über dem Durchschnitt (alle Beschäftigten: 10 Prozent).