Verhandlungen und Stimmung in der Belegschaft

12.03.2010 von Inken Wanzek

In München und Berlin und vermutlich auch in den anderen betroffenen Standorten wird zurzeit die Betriebsvereinbarung zur Kurzarbeit verhandelt.

Berlin

Der Berliner Betriebsrat stellte auf der letzten Betriebsversammlung sein Konzept der Belegschaft vor. Zwei Schwerpunkte sind hier zu erkennen.

Die Einführung der Kurzarbeit soll dazu genutzt werden, eine Strukturanalyse am Standort durchzuführen und zu ermitteln welche Kompetenzen NSN in Berlin in Zukunft braucht. In diesem Zusammenhang sollen neue Projekte für den Standort Berlin identifiziert und Zukunftsthemen festgelegt werden, mit dem Ziel die Arbeitsplätze in Berlin zu erhalten. Aufbauend auf dieser Analyse soll ein gemeinsames Qualifizierungskonzept erstellt werden. Neben der Festlegung von internen und externen Schulungen sollen die Mitarbeiter in neue Projekte eingeführt werden. Dazu fordert der Betriebsrat Berlin ein Budget für die Qualifizierungsmaßnahmen.

Der zweite Schwerpunkt im Berliner BR-Konzept zum Thema Kurzarbeit ist, dass Mitarbeiter, die durch die Kurzarbeit in finanzielle Schwierigkeiten kommen würden, von der Kurzarbeit ausgenommen werden. Im Fokus stehen hier vor allem Alleinerziehende und Mütter im Mutterschutz. Weiter fordert der Betriebsrat, dass die Smartmitarbeiter, die sich in einem aktiven Bewerbungsprozess befinden, von der Kurzarbeit ausgenommen werden.

Über den aktuellen Verhandlungsstand in Berlin ist nichts bekannt.

München

Der Münchner Betriebsrat hat bisher die Belegschaft nicht über sein Verhandlungskonzept informiert.

Was denken die Mitarbeiter

Viele Mitarbeiter in Berlin und München stehen der Kurzarbeit misstrauisch gegenüber. Was beunruhigt ist die angekündigte Kurzarbeit Null und die damit verbundene selektive Auswahl der Mitarbeiter. Manche Mitarbeiter fürchten, dass dies – ähnlich wie bei New Placement 2002 – eine Vorauswahl für weitere Personalabbaumaßnahmen darstellen könnte.

Weiter hoffen die Mitarbeiter auf verbindliche Regelungen, dass die betroffenen Mitarbeiter nach Ablauf der Kurzarbeit wieder an ihren bisherigen Arbeitsplatz zurückkehren können. Die Furcht, dass ihr jetziger Arbeitsplatz und ihre jetzige Planstelle während der Kurzarbeitszeit gestrichen werden, ist sehr groß. Andere fürchten, anschließend in eine Art Project Assigment (= flexibler Einsatz in verschieden Projekten mit reinem organisatorischem Heimathafen), mit dem Druck sich intern (und extern) bewerben zu müssen, zu kommen. Allgemein besteht die Angst, in der Kurzarbeit Aufhebungsverträge vorgelegt zu bekommen. Es besteht die Befürchtung, dass diese von Personalgesprächen begleitet werden, in denen den betroffenen Mitarbeitern, deutlich gemacht wird, dass NSN für sie keine Perspektive mehr in diesem Unternehmen sieht. Die größte Furcht bei Kurzarbeit Null besteht aber darin, vom betrieblichen Geschehen monatelang isoliert zu sein, den Anschluss an bestehende und neue Projekte zu verlieren, nichts mehr mitzubekommen, wohin die Reise bei NSN geht. Wir können euch nur versichern, dass wir so gut wie möglich berichten, also lest weiter die NCI Homepage.

Fazit

Kurzarbeit könnte von den Mitarbeitern akzeptiert werden, wenn diese gleichmäßig über den gesamten Betrieb oder Bereiche verteilt wäre, z.B. in Form einer Vier-Tage-Woche. In diesem Fall wäre keine Stigmatisierung durch Kurzarbeit Null gegeben. Vor allem aber blieb auf diese Weise die Arbeitsplatzperspektive erhalten.

Kurzarbeit, so wie sie jetzt vorgesehen ist, verstärkt die Unruhe in der Belegschaft. Dies gilt für München und Berlin gleichermaßen. Dem Modell „Kurzarbeit“ fehlt die Zukunftsperspektive. Der Berliner Betriebsrat versucht mit seiner Strukturanalyse eine solche zu schaffen. Doch die Gefahr besteht, dass sich der Arbeitgeber verweigern wird – wie bei den vielen Innovationsinitiativen, die bei NSN immer mal wieder vom GBR gestartet wurden und die offensichtlich im Sand versickert sind.

Wichtig wäre für NSN Deutschland klar und deutlich zu machen, wie eine Zukunft für deutsche Betriebe aussehen könnte. Ein Mitarbeiter schrieb: „Egal wie die Zukunft bei NSN in Deutschland aussieht, ich will es wissen! Die Ungewissheit ist es, die mich fertig macht. Es ist wie Siechtum. Danke, dass wenigstens ihr berichtet und analysiert, was sein könnte.“