Siemens baut 4200 Stellen bei SIS ab

18.03.2010 von Inken Wanzek

Siemens gab heute bekannt, bei seinem IT-Dienstleister SIS weltweit 4.200 Stellen, davon etwa 2.000 in Deutschland abzubauen. Das entspricht einem Abbau von 21 Prozent der deutschen Arbeitsplätze bei SIS. Der Abbau solle vornehmlich in München und Paderborn sowie im Großraum Nürnberg/Erlangen erfolgen, sagte Siemens-Personalvorstand Siegfried Russwurm heute in München.

Auch in Österreich sollen 400 Stellen abgebaut werden. Zudem werde bei Siemens Österreich ein Teil des IT-Geschäfts in die dortige Landesgesellschaft ausgegliedert, wie Dow Jones Newswires heute von einer mit der Angelegenheit vertrauten Person erfuhr. Jener SIS-Bereich, der Software für Telekommunikationslösungen entwickelt, werde in die Landesgesellschaft integriert und erhalte ein eigenes Management, sagte die informierte Person. Dieser Geschäftsbereich umfasse etwa 500 bis 600 Mitarbeiter. Die Belegschaft in Österreich soll am 8. April endgültig Klarheit über ihre Zukunft erhalten.

Die Siemens AG hat heute den Wirtschaftsausschuss in einer Sondersitzung über ihre Pläne informiert. Die SIS soll grundlegend restrukturiert werden. Von derzeit etwa 9.700 Beschäftigten in Deutschland sollen nach vollzogenem Stellenabbau circa 7.500 zum 01.07.2010 aus der Siemens AG ausgegliedert und später in ein Unternehmen mit eigener Rechtsform und angeblich vereinfachten Strukturen überführt werden.

Die bisher sieben Geschäftseinheiten der Sparte sollen in zwei Säulen zusammengefasst werden. Der Konzern geht beim Stellenabbau zügig vor: Bei der für kommenden Juli geplanten Ausgliederung der SIS sollen nur noch rund 7.500 Beschäftigte zur neuen Gesellschaft wechseln, bestätigte Personalchef Siegfried Russwurm. Der Rest verbleibe zunächst bei Siemens, das die Mitarbeiter dann mit Abfindungsangeboten und Ruhestandsregelungen loswerden will, offensichtlich eine neue Variante des Betriebsübergangs, bei dem bestimmte Mitarbeiter gar nicht mit übergehen sollen. Insgesamt entspricht dies dann einem Personalabbau von 23 Prozent in Deutschland.

In Branchenkreisen wurden die Kosten für die Restrukturierung auf einen mittleren dreistelligen Millionen- Euro-Betrag geschätzt.

Die IG Metall und der Gesamtbetriebsrat der Siemens AG lehnen die heute vorgelegten Restrukturierungspläne der Siemens AG für den Bereich Siemens IT Solutions and Services (SIS) entschieden ab. Die Arbeitnehmervertreter kritisieren, dass trotz ihrer wiederholten, nachdrücklichen Forderungen kein tragfähiges wirtschaftliches Konzept für SIS existiert. Zudem befürchten sie, dass die aktuellen Pläne nur die jahrelange Abfolge von Restrukturierungen fortsetzen, die vor allem aus Kostensenkungen bestehen.

„Wir müssen die SIS-Organisation dem gesunkenen Geschäftsvolumen anpassen.“, so Siemens-Personalvorstand Siegfried Russwurm und beraubt damit mit einem Federstrich 4.400 Menschen ihrer Existenzgrundlage. Auch die IT-Branche habe sich den Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht entziehen können. In der Ertragsentwicklung zeige sich allerdings, dass einige Wettbewerber bisher besser durch die Krise gekommen sind, so Siemens. „In diesem Umfeld behauptet sich nur, wer sehr schnell und flexibel am Markt agiert“, sagte Kaeser und meint mit „schnell und flexibel“ offensichtlich die Entlassung von mehreren Tausend Mitarbeitern.

Mit seiner IT-Sparte hatte Siemens in den vergangenen Jahren einen Zickzack-Kurs gefahren. Zwischen 1995 und Ende 2006 war das Geschäft in drei Tochterfirmen aufgegliedert. Löschers Vorgänger Klaus Kleinfeld gliederte 2007 die IT-Dienstleistungen zu einem einzigen Segment gebündelt wieder in die Siemens AG ein, da er sich mehr Synergien mit anderen Konzerngeschäftsfeldern versprochen hatte. Die Erwartungen erfüllten sich aus Sicht des jetzigen Managements nicht: Der Gewinn ging drei Jahre in Folge zurück auf zuletzt 90 Mio. Euro.

Spätestens für das kommende Kalenderjahr erwarten Experten jedoch wieder ein deutliches Wachstum für die IT-Branche in der Größenordnung von fünf Prozent, ein Wachstum, von dem viele SIS Beschäftigte nichts haben werden. In München wurde eine Spontandemo organisiert, auf der die Beschäftigten ihre Wut, ihre Enttäuschung und ihre Angst vor der Zukunft herausschreien wollen.